Der Kammweg im Erzgebirge – ein Fernwanderweg mit Panorama und Naturerlebnis

Viel Weitsicht bietet die sommerliche Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Viel Weitsicht bietet die sommerliche Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Wer den Kammweg im Erzgebirge wandert, erlebt die abwechslungsreiche Landschaft Sachsens. Auf über 150 Kilometer erstreckt sich der insgesamt rund 280 Kilometer lange Weg entlang des Erzgebirgskamms: vorbei an dichten Wäldern, sanften Hügeln und Dörfern mit eigenem Charme und Historie. Geprägt ist der Fernwanderweg von eindrucksvollen Panoramen beispielsweise vom Schwartenberg, Hirtstein, Bärenstein oder Fichtelberg. Man schlängelt sich entlang von Bachläufen, gelangt durch Moorlandschaften, kommt in Berührung mit der alten Bergwerkskultur und ist häufig ganz alleine in der Natur unterwegs. Wir nehmen dich mit, auf unseren fünf Kammwegs-Etappen im Erzgebirge: Zeigen dir unsere schönsten Aussichtspunkte, geben Tipps zur Planung und passenden Unterkünfte für (d)eine unvergessliche Tour.

WERBEHINWEIS: Dieser Beitrag entstand im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Erzgebirge e.V. Auf Art, Inhalt und Umfang unseres Artikels hat dies jedoch keinen Einfluss.

INHALTSVERZEICHNIS


Entspanntes Wandern auf dem Kammweg im Erzgebirge.

Entspanntes Wandern auf dem Kammweg im Erzgebirge.

Unsere Schnupperetappe von Geising nach Altenberg

Der offizielle Startpunkt für den Kammweg liegt in Geising bei Altenberg. Ab hier rollt sich der grüne Wanderteppich durch die Hügellandschaft des Erzgebirges. Wir lieben diese offiziellen Einstiegspunkte in zertifizierte Wanderwege mit den einladenden Informationstafeln. Obwohl unsere Tour auf dem Kammweg nur fünf Etappen umfasst, haben wir dem Startpunkt in Geising einen Besuch abgestattet und zum Warm-up die ersten rund sieben Kilometer bis Altenberg unter die Wandersohlen genommen. Der Kammweg zeigt gleich zu Beginn, dass er auch sportive Anstiege im Gepäck hat, und so schwitzen wir uns durch das Naturschutzgebiet hinauf auf den Geisingberg. Dort erwartet uns die bewirtschaftete Bergbaude Geisingberg mit einer kühlen Erfrischung. Wer sich hinauf auf den Louisenturm begibt, bekommt eine feine Aussicht serviert: Wir blicken auf den Kahleberg und hinunter nach Altenberg mit der riesigen Pinge, einem ersten Zeugnis der Bergbaugeschichte im Erzgebirge. Verursacht durch den Zusammenbruch von unterirdischen Grubenschächten, entstand ein gigantischer Einsturztrichter, der heute einen Durchmesser von rund 500 Metern hat. Für uns endet das heutige Schnuppern auf dem Kammweg in Altenberg; wir machen einen Transfer und steigen auf dem Schwartenberg oberhalb von Seiffen dann in die Etappenwanderung ein.

Aussicht vom Louisenturm

Aussicht vom Louisenturm

Wer zwei bis drei Tage Zeit mehr im Gepäck hat, dem empfehlen wir, die rund 45 Kilometer zwischen Altenberg und dem Schwartenberg auf dem Kammweg zu gehen! Hinauf geht es nämlich auf den aussichtsreichen Kahleberg; weiter entlang der plätschernden Mulde, vorbei an der regionalen Brauerei in Rechenberg, und im benachbarten Ökobad, das ohne Chlorzusätze auskommt, bietet sich eine feine Outdoor-Abkühlung.


Sommerliche Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Herrliches Panorama auf dem Schwartenberg beim Einstieg in unsere Kammweg-Tour im Erzgebirge

1. Etappe, Schwartenberg – Saigerhütte: Spielzeugdorf, Stille und UNESCO Welterbe

Die Wanderstiefel sind geschnürt, der Tagesrucksack auf dem Rücken und das Gesicht ordentlich mit Sonnenschutz versehen. So stehen wir auf dem Schwartenberg. Hier oben mit einem 360-Grad-Rundumblick beginnt unser kleines Fernwander-Abenteuer auf dem Kammweg im Erzgebirge. Hinunter ins Spielzeugdorf Seiffen führt uns ein Wiesenpfad, vorbei an mit orangefarbenen Beeren behangenen Ebereschen; Trekkersound begleitet uns. Mitten im Hochsommer weht durch den Kurort ein Hauch von Weihnachten: In zahlreichen Betrieben werden filigrane Holzdekoartikel wie Nussknacker, Räuchermännchen etc. hergestellt. Wir statten der malerisch gelegenen Bergkapelle einen Besuch ab, kommen vorbei am Blockline-Portal und schwelgen kurz in Mountainbike-Erinnerungen. Nach der Ortsumrundung tauchen wir ein in den stillen Wald. Noch tummeln sich im Kopf zahlreiche Gedanken. Der Weg ist flankiert von jungen Buchen und Ahorn, Springkraut und Heidelbeersträuchern, die hier im Erzgebirge Schwarzbeeren genannt werden.

Sommerliche Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Der Kammweg im Erzgebirge bietet zahlreiche Pausen- und Picknickplätze zum Ausruhen und Stärken

Es riecht wie in einem Saunaaufguss: Duftnote Fichtenholz, zirpende Grillen begleiten uns bei dieser Wellness-Anwendung! Wir kommen in einen ersten Rhythmus und sind zügig nebeneinander unterwegs auf dem einsamen Waldweg. Der Sagenweg ist ein optischer Höhepunkt, denn auf diesem Abschnitt begleiten uns von regionalen Künstlern gefertigte Kunstwerke und Geschichten. An einem Picknick-Arrangement machen wir Rast und genießen unser Rucksackvesper. Unser Etappenziel ist nicht mehr weit entfernt; wir blicken auf den Bruchberg, den Hausberg Olbernhaus und das Areal der Saigerhütte zeigt sich bereits. Über eine blühende Wiese, vorbei an einem Kirchlein, bedeckt mit einem Grünthaler Kupferdach, gelangen wir hinunter nach Grünthal. Über das spektakuläre Osttor erreichen wir unser Ziel, die Saigerhütte!

Sommerliche Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Eindrucksvoll der Besuch der Saigerhütte (UNESCO Welterbe) auf unserer ersten Kammweg-Etappe im Erzgebirge


UNESCO Welterbe Saigerhütte

Die Saigerhütte Olbernhau-Grünthal gehört seit 2019 zum UNESCO-Welterbe „Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří“. Auf dem großzügigen Areal stehen noch über 20 historische Gebäude und somit sind nahezu alle erhalten geblieben. Auf dem Areal wurde ab circa 1537 Silber aus silberhaltigem Kupfererz gewonnen. Die Hütte wurde zum Zentrum der Kupferverarbeitung und „Grünthaler Kupfer“ erlangte internationale Beliebtheit. Es entwickelt rasch eine grüne Patina und war mit 98 % Kupferanteil sehr rein. So wurden z. B. der Dresdner Zwinger, der Petersdom in Rom und die Türme des Wiener Stephansdoms mit dem legendären Kupfer bestückt. Das auffälligste Gebäude mit dem schlanken Turm, einst die Hüttenschänke, ist heute das Hotel Saigerhütte. Wer das Gelände in Eigenregie besichtigen möchte, nutzt die installierten Touchscreen-Monitore. Auch Führungen werden angeboten, die dann auch den Zugang zum Museum ermöglichen. Uns hat der geschichtsträchtige Spaziergang ausgezeichnet gefallen. Spannend finden wir, dass die ehemaligen Mitarbeiterwohnungen saniert wurden und auch heute wieder als Wohnraum genutzt werden.


Sommerliche Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Fotopoint an der Saigerhütte in Obernhau- Grünthal am Ende unserer ersten Kammweg-Etappe im Erzgebirge

2. Etappe, Saigerhütte – Rübenau: Aussichtsfelsen, Waldbaden und Moorgebiet

Gut gestärkt mit allerlei Köstlichkeiten vom Frühstücksbuffet und versorgt mit einem leckeren Lunchpaket, das auch ein Schnitzelbrötchen beinhaltet, starten wir in den Wandertag. Über uns leuchtet der blaue Himmel, kein Wölkchen zu sehen – uns erwartet ein Spätsommertag wie aus dem Bilderbuch. Vorbei am Teichareal der Saigerhütte laufen wir über Wiesen, an denen Tautropfen und Spinnennetze in der Sonne glänzen. Wir verlassen das Flöhatal: Sanft und stetig bergan gehen wir am Waldrand entlang. Auffällig viele Birken stehen hier und zahlreiche Felsen rücken nah an unseren Weg heran. Am Stößerfelsen angekommen, haben wir Betriebstemperatur erreicht. Zielstrebig gehen wir auf die Aussichtsplattform: Hier hat man wahrlich das Gefühl, über den rauschenden Baumwipfeln zu schweben. Weit reicht der Blick ins Natzschungtal, mit der sächsischen und tschechischen Talseite.

Wandern auf dem Kammweg

Aktivpause auf dem Kammweg :-) am Stößerfelsen auf unserer zweiten Etappe.

 Wandern ohne Gepäck – Lunchpakete & Gepäcktransport

Üppiges LunchpaketErstmalig haben wir bei dieser mehrtägigen Wanderung den angebotenen Gepäcktransport genutzt. Das ist eine feine Sache, wenn man nur mit dem vergleichsweise leichten Tagesrucksack unterwegs ist. Am Abend erreicht man die Unterkunft und im Zimmer erwartet einen das große Gepäck. Bei uns hat das auf allen Etappen sehr zuverlässig funktioniert. Auch mit den Lunchpaketen, die wir in unseren Übernachtungsunterkünften am Morgen bekommen haben, waren wir sehr zufrieden. Jedes Vesperpaket ist anders und wir waren immer sehr gespannt, welche Leckerein uns erwarten. Dieser buchbare Service ist sehr praktisch, denn nicht auf allen Etappen gibt es Versorgungs- bzw. Einkehrmöglichkeiten. Weitere Infos 

Auf dem Stößerfelsen in Sachsen

Der Stößerfelsen lädt zur Pause ein

Beerenstarke Snacks und ungestörtes Wandern

Auf der XXL-Bank machen wir eine erste Pause, schalten dann in den sportiven Gang auf dem breiten, von Fichten-Hünen gesäumten Waldweg bis zur historischen Steinbrücke am Steinbach. Rund 9 Kilometer haben wir schon unter den Sohlen, am Wanderpavillon können wir dem verführerischen Duft, der aus unserem Rucksack strömt, nicht mehr widerstehen. Herzhaft beißen wir in unsere belegten Brötchen – die Stärkung ist sinnvoll, denn anschließend erwartet uns eine wahre Wanderrampe. Kurz darauf führt uns ein schmaler Wiesenpfad hinunter zur ehemaligen Lochmühle. Immer wieder legen wir einen Halt ein und naschen von den saftigen Beeren, die an den Himbeerbüschen hängen.

Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Powerfood am Wegesrand am Kammweg im Erzgebirge

Der folgende Abschnitt gehört zu den Sahneschnitten und ist mit weicher Grasunterlage Balsam für unsere heißen Füße. Neben uns plätschert der Bach, eine Blindschleiche huscht über den Weg, Eidechsen tummeln sich in der Sonne. Am Hirschberg wiegt sich das Korn in der Sonne, auch wir fühlen uns zwischenzeitlich gut durchgegart und freuen uns auf den Lehmheider Teich. Mitten im Wald in einem Hochmoorgebiet liegt diese Erfrischungsinsel; wer mag, kann ein Bad nehmen. Wir gönnen uns ein Uferpicknick auf den zahlreichen Rastbänken mit Gewässerblick: Enten schnattern, blaue Libellen tanzen und die Bäume spiegeln sich geheimnisvoll im dunklen Wasser. Dieser Platz ist offensichtlich ein Geheimtipp!

Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Der Lehmheider Teich im Erzgebirge auf dem Kammweg

Rübenau, ein Ort mit besonderen Begegnungen

Rübenau ist nicht mehr weit entfernt, im Haus der Kammbegegnungen machen wir halt und treffen uns mit Babett Schreiter vom Verein Natura Miriquidica. Mit ansteckender Begeisterung erzählt sie uns von den prächtigen Bergmähwiesen, die es im Erzgebirge und insbesondere hier in der Gegend gibt. Viele unterschiedliche Arnikaarten zeigen sich Ende Juni bis Anfang Juli in ihrer Blütenpracht. Maximal zweimal im Jahr werden die Wiesen gemäht und so finden sich hier seltene Pflanzen wie der Große Wiesenknopf, mit seiner roten Blüte! Besonders wichtig ist der Naturpädagogin, dass sich die entsprechende Tierwelt hier wiederfindet mit wiesenbrütenden Vogelarten, Schmetterlingen und Wildbienen.

Outdoorküche im Haus der Kammbegegnungen

Outdoorküche im Haus der Kammbegegnungen

Wanderer sind im wilden Blühparadies rund um das Kammhaus herzlich willkommen, können dort ihre Wasserflaschen auffüllen oder auch ihr Zelt aufschlagen, wenn auf der Wiese noch ein Plätzchen frei ist. Nach der erfrischenden Begegnung mit Babett gehen wir in den Endspurt. Im Ortskern von Rübenau statten wir dem Lebensmittelladen Hänel einen Besuch ab. Mit einem lauten „Glück auf“ begrüßen sie uns; als Zugabe bekommen wir später noch ein Mundart-Gedicht vorgetragen. Ebenfalls in Erinnerung bleibt uns das vielfältige Sortiment, verbunden mit ein wenig Ostalgie, die durch die Regale weht. Neben frischen Back- und Wurstwaren, Konserven, Zahnpasta und regionalem Bier gibt es riesengroße Schwibbögen zu kaufen. Diese meist aus Holz oder Metall gefertigten, beleuchteten Bögen haben insbesondere in der Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Auf zahlreichen Fensterbänken oder Garagendächern können wir sie auf unserer Wanderung auch mitten im Hochsommer bestaunen.

Tante Emma Laden in Rübenau

Zwischen Lebensmitteln gibt es allerlei Dekoartikel wie Schwibbögen im kleinen Laden im Rübenau

Dann ist es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft, dem Gasthaus Rübenau. Herzlich begrüßt werden wir hier von den sympathischen niederländischen Herbergseltern Rita und Erik. In der kleinen Pension gibt es fünf Doppelzimmer und das gastfreundliche Ehepaar bereitet auf Wunsch ein Abendessen zu. 2017 kamen sie hierher ins Erzgebirge und schlossen schnell Freundschaft mit dem Dorf und seinen Einwohnern. Herzöffner war sicherlich der kleine Pool im Garten, denn Kinder dürfen hier einfach zum Baden vorbeischauen. Erik ist handwerklich sehr geschickt und er hat das gesamte Areal komplett aufgehübscht. Insgesamt zu fünft sitzen wir beim Abendessen in der Küche; Erik serviert und verrät, dass er 2024 eine große Radreise unternommen hat und von Singapur zurück nach Rübenau gefahren ist. Plötzlich unterhalten wir uns alle gemeinsam über Tische hinweg und alle Gäste berichten von ihren kleinen und großen Outdoor-Erlebnissen.

Aussicht im Erzgebirge

Wer abends noch mal vor´s Haus geht wird mit dieser Aussicht belohnt.

Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Gut ausgeschildert wandert es sich auf dem Kammweg im Erzgebirge

3. Etappe, Rübenau – Hirtstein: Grenzerfahrung, malerisches Schwarzwassertal, Moorabstecher und Basaltfächer

Rübenau ist die größte Streusiedlung in Ostdeutschland und am nächsten Morgen bekommen wir ein gutes Gefühl für die Weite, die hier herrscht! Bald treffen wir auf den „Weg der deutschen Einheit“ (WDE), der heute fast komplett parallel zum Kammweg verläuft. Dieser rund 1080 Kilometer lange Wanderweg führt von der östlichsten Stadt Görlitz bis in die westlichste nach Aachen. Unsere Strecke verläuft schnurgerade durch den Wald, immer wieder markieren Steine den Grenzverlauf nach Tschechien. Pilzfreunde werden heute belohnt, denn Steinpilze und Maronen grinsen uns vom Wegesrand entgegen. Auch heute pflücken wir wieder Himbeeren als Zwischensnack. Nach rund 6 sehr entspannten Kilometern gelangen wir bei Kühnhaide ins Schwarzwassertal. Wir sind gespannt, was uns erwartet, denn es wurde uns als besonders idyllisch angekündigt. In der Pension im Schwarzwassertal lockt uns die Außenbestuhlung mit den geöffneten Sonnenschirmen und wir genießen ein kühles Radler. Dann mäandert unser Pfad entlang des Grünen Grabens hinein ins Tal der Schwarzen Pockau. Ruhig und wunderschön ist es hier: Zitronenfalter und Pfauenaugen flattern zwischen uns hindurch. Für unseren Geschmack viel zu schnell zweigt der Kammweg ab und wir verlassen das herrliche Tal.

Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Idyllischer Abschnitt im Schwarzwassertal auf dem Kammweg im Erzgebirge

Landschaftswechsel wie im Bilderbuch

Weiter geht es durch den schattigen Wald nun wieder auf breiteren Wegen, die es uns leicht machen Kilometer auf den Wandertacho zu bringen. Unser nächstes Ziel ist das Moorgebiet Stengelhaide mit dem ausgeschilderten rund 2 Kilometer langen Moorlehrpfad, der sich vorbei an zahlreichen Birken über einen Holzbohlenweg schlängelt und kurz vom Kammweg abzweigt. Ganz friedlich wirkt die typische Moorfauna mit den Heidelbeersträuchern, dem Heidekraut und dem hohen Wollgras. Vom Aussichtsturm hat man einen schönen Überblick über das sonnendurchflutete, „unberührte“ Gelände.

Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Abstecher ins Moorgebiet auf unserer Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Wir fädeln wieder auf den Kammweg ein und erreichen Reitzenhain mit dem Grenzübergang nach Tschechien. Es läuft sich gut, wir machen Tempo, denn wir können es kaum erwarten den Hirtstein zu erreichen. Eine kleine Verschnauf- und Stärkungspause legen wir ein und genießen ein Rucksack-Bier aus dem Lebensmittelladen der Hänels aus Rübenau. Die heutige Wegführung war bisher mühelos und so gilt es zum Etappenabschluss noch einige Höhenmeter hinauf, auf den Hirtstein Gipfel auf 890 Meter zu nehmen. Der abschließende Kilometer führt auf einem schmalen, malerischen Pfad flankiert von leuchtend roten Fliegenpilzen und Himbeeren nach oben. Begrüßt werden wir von eindrucksvollen Basaltsäulen und einem Basaltfächer; ein sehr eindrucksvolles Empfangskomitee bildet dieses Flächendenkmal. Bei diesem Naturphänomen handelt es sich um erstarrte Lava, die vor Millionen von Jahren ausströmte. Ein inzwischen stillgelegter Steinbruch hat den Basaltaufschluss, der an Säulen und einen fächerförmigen Palmwedel erinnert, freigelegt. Wunderbar übernachten kann man in der Hirtsteinbaude, die in diesem Jahr ihr 100. Jubiläum „feiert“. Die Aussicht von hier oben ist großartig und die leise Abendstimmung wunderbar. Dann dürfen wir Übernachtungsgäste den Blick in den pastellfarbenen Himmel richten und den fast schon perfekt kitschigen Sonnenuntergang über dem Pöhlberg bei Annaberg-Buchholz genießen.

Basaltfächer auf dem Hirtstsein

Der Basaltfächer auf dem Hirtstsein ist ein begehbares Naturdenkmal.

Zimmer mit Aussicht in der Hirtsteinbaude

Zimmer mit Aussicht in der Hirtsteinbaude

4. Etappe: Hirtstein – Bärenstein, zwei aussichtsreiche Berge, dazwischen viel abwechslungsreiche Landschaft

Gipfelhüpfen ist heute angesagt, denn vom Hirtstein führt unsere Etappe auf den Bärenstein. Die Höhendifferenz der beiden Erhebungen beträgt gerade mal 8 Meter, die Ab- und Aufstiege summieren sich jedoch auf rund 570 Meter. Einige „Knieschnäpperle“ liegen vor uns. Vom Hochplateau führt der Kammweg auf einem Wiesenteppich vorbei an zahlreichen prall mit feuerroten Beeren behangenen Ebereschen – ein eindrucksvoller Farbkontrast zum tiefblauen Himmel. Die weite Sicht verfängt sich am Hasselberg und später am Fichtelberg. Der Alltag ist nach drei Wandertagen in weite Ferne gerückt, der Geist ist ruhig, es gibt keine To-Do-Listen zu wälzen, sondern wir wandern einfach im „Jetzt und Hier“. Nur der Vollständigkeit halber erwähnt: Wir begegnen keiner Menschenseele!

Bahnhof Schmalzgrube

Bahnhof Schmalzgrube – hier dampft die historische Eisenbahn!

Erfrischendes Preßnitztal mit Zugabe im Conduppeltal

Sanft bergab führt uns der erste Abschnitt hinunter nach Schmalzgrube. Das Herz von Museumeisenbahnern klopft hier schneller, denn der Ort liegt mitten auf der Strecke der historischen Preßnitztalbahn. Seit 2000 verkehrt auf 8 Kilometern zwischen Steinbach und Jöhstadt wieder eine dampfbetriebene Schmalspurbahn. Von Anfang Mai bis Anfang November kommt man an den Wochenenden in den Genuss. Wir nehmen die Strecke direkt unter die Wandersohlen und spazieren entlang des Bachs durch das schattige gleichnamige Tal. Handyentgiftung gibt es inklusive, denn es gibt keinen Netzempfang. Dafür überraschen uns liebevolle Installationen mit kleinen, geschmückten Stehtischen, Pausenplätze mit Blumenkästen und Wasserrädern, die von der Preßnitz angetrieben werden. Auch ein erfrischendes Fußbad ist möglich!

Erfrischung im Schwarzwasserbach

Erfrischung im Schwarzwasserbach

In eine Märchenlandschaft fühlen wir uns versetzt, es würde uns nicht wundern, würden wir auf einige Riesen stoßen, die sich mit Baumstamm-Mikado zwischen den Felsformationen die Zeit vertreiben. In Jöhstadt angelangt, passieren wir das Depot der Preßnitztalbahn. Wir wechseln die Talseite und gehen nun am Waldrand mit offener Sicht auf die imposante Kirche von Jöhstadt am Grenzweg entlang. Wer Grillgut dabei hat, kann an einer der zahlreichen Hütten ein Feuer entfachen. Wir marschieren weiter, gerade zwickt es heftig in den Waden; eine Pause würde unserem inneren „Schweinehund“ gerade nicht guttun. Mentale Stärke ist gefragt, denn es liegen noch einige Kilometer vor uns. Wir erreichen einen überdachten Picknickplatz, umgeben von einer üppig blühenden Blumenwiese;wie durch einen Trichter schauend, landet unser Blick auf dem Bärenstein. Das ist ein echter Motivationsschub, denn unser heutiges Etappenziel ist zumindest kurzzeitig in Sichtweite. Unser Schritt federt auf der Wiese, dann folgt eine weitere Waldpassage mit prächtigen Pilzen. Im lichtdurchfluteten, romantischen Conduppeltal prangt der Zigeunerfelsen und ermöglicht eine kleine Kletterpartie. Schließlich erreichen wir den Gasthof Berghof, eine inbrünstig herbeigesehnte Einkehr!

An der deutsch-tschechischen Grenze

Der Kammweg verläuft oft sehr grenznah.

Ein kühles, frisch gezapftes Weizenbier zischt durch unsere Kehlen, dann sind wir bereit für die verbleibenden Kilometer durch das Pöhlbachtal und hinauf auf den Bärenstein. Auf den letzten pfadigen Aufstiegsmetern zeigt sich erneut eine Paradeaussicht: Der Fichtelberg, unser morgiges Ziel, ist vom Abendlicht illuminiert; ganz friedlich wirkt die hügelige Landschaft. Es ist heute ziemlich spät geworden, erst um 19:30 Uhr, schlagen wir am Hotel Bärenstein inklusive Bärenhunger im Gepäck an!

Sächsische Kulinarik

Ostzonales WürzfleischWir lieben es unterwegs auf Reisen unsere Nase in die regionalen Kochtöpfe zu stecken. Auch im Erzgebirge haben wir neue Gerichte  entdeckt. Thomas hatte große Freude mit einigen kulinarischen Kindheits- und Jugenderinnerungen. Uns hat die deftige, sättigende Hausmannskost sehr gut geschmeckt und nach rund 20 Kilometern und ordentlich Höhenmetern in den Waden, hatten wir jeden Abend auch viel Appetit. Rindsrouladen mit Rotkraut und Klößen, Würzfleisch mit Worcester-Sauce und Sächsische Kartoffelsuppe standen bei uns hoch im Kurs. Wer beispielsweise bei Sven im Gasthof in Geising oder bei Jenny und David in der Hirtsteinbaude einkehrt, der wird mit ganz viel Liebe und sächsischem Charm bekocht. Unbedingt probieren wollten wir die typischen Buttermilch-Gezen: Diese Spezialität aus dem Backofen besteht aus rohen und gekochten Kartoffeln, Kümmel, Leinöl, Gewürzen und Buttermilch und wird mit knusprigem Speck obendrauf und Schwarzbeer-Kompott serviert. Das hat leider nicht geklappt, dafür „müssen“ wir wohl unbedingt nochmal wiederkommen.
Roulade mit Klößen und Rotkohl

Berghotel Bärenstein im Abendlicht

Späte Ankunft im Berghotel Bärenstein.

Wanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge

Auf der letzten Etappe hat man das Ziel, den Fichtelberg, immer wieder fest im Blick.

5. Etappe: Unser Finale vom Bärenstein auf das Penthouse Sachsens, den 1.215 m hohen Fichtelberg

Wir folgen einem anspruchsvollen, schmalen, von Wurzeln durchzogenen Pfad, der sich vom Bärenstein ins Tal hinunterwindet. Das ist ein Etappeneinstieg ganz nach unserem Geschmack! Der tiefste Punkt ist für heute erreicht und rund 500 Höhenmeter trennen uns vom höchsten Punkt des gesamten Kammwegs, dem Fichtelberg mit seinen 1.214 Metern. Wir gelangen zur Trinkwassertalsperre von Cranzahl, flanieren über die Staumauer und tauchen erneut ein in den Wald – machen Tempo und Strecke! Ordentlich durchgeschwitzt erreichen wir die Toskabank: ein schönes, ruhiges Pausenarrangement auf einem Felsen! Weiter geht es in Richtung Kretscham-Rothensehma: Überraschend, eine kleine Kapelle am Wegesrand mit dem darüber thronenden Fichtelberg. Hier scheint die höchste Erhebung Sachsens kurzfristig schon in greifbarer Nähe. In Neuendorf drehen wir eine Runde in dem hübschen Kneipp-Becken und machen Rast bei der kleinen, gemütlichen Schutzhütte. Die Rastplatz-Infrastruktur auf dem Kammweg ist wirklich sehr durchdacht.

Trinkwassertalsperre von Cranzahl

In der Trinkwassertalsperre von Cranzahl ist das Baden leider nicht erlaubt.

Dann läuten wir den letzten Abschnitt unserer Kammweg-Wanderung ein: Ab jetzt gibt es nur noch eine Richtung, stetig bergauf! Ein breiter Forstweg mit einer 14-prozentigen Steigung führt uns in Richtung Kreuzfelsen. Aufgrund von Waldarbeiten, ist der für uns leider nicht zugänglich. Auch hier ein Kompliment an Sachsenforst: Die Umleitungsbeschilderung funktioniert bestens! Wir erreichen das Basislager in Waldeck, einen neuen Hotel- und Gastrobetrieb mit einladender Außengastronomie. Hier tanken wir noch einmal auf und genießen die lockere Stimmung im Gastgarten.

Basislager Fichtelberg

Das neue Basislager Fichtelberg lädt zu einer Rast vor dem Gipfelsturm ein.

Wehmut und Stolz im Rucksack

Dann erwarten uns die finalen 3 Kilometer hinauf auf den Fichtelberg. Auf diesem letzten Abschnitt gibt der Kammweg alles, um eindrücklich und mit vielen guten Emotionen in unserem Gedächtnis zu bleiben. Über den Amtssteig mit eindrücklichen Felsen, zieht sich der Pfad hinauf. Preisel- und Schwarzbeerbüsche stehen Spalier. Teilweise ist es ordentlich matschig, aber das tut unserer Freude keinen Abbruch. Randvoll mit Endorphinen stehen wir mitten im Steilhang, auf dem sich im Winter sicherlich Skifahrer austoben. Langsam schiebt sich das Fichtelberghaus samt Aussichtsturm in unser Blickfeld. Wir entdecken, die für uns letzte Wegmarkierung mit dem „Kamm-Symbol“ – unsere Frisur sitzt, als wir oben am Fichtelberg auf knapp 1.215 Metern ankommen.

Aussicht vom Amtssteigfelsen

Aussicht vom Amtssteigfelsen beim Aufstieg zum Fichtelberg.

Der Fichtelberg ist nicht nur für Kammweg-Wanderer ein begehrtes Ziel, sondern auch gut mit dem Pkw, Fahrrad oder der Schwebebahn erreichbar. Es ist viel los hier oben und wir fremdeln etwas mit der belebten Umgebung. Von der Aussichtplattform genießen wir noch einmal die Aussicht hinunter nach Oberwiesenthal und zum benachbarten Keilberg, dem Klínovec, auf tschechischer Gemarkung, der höchsten Erhebung im Erzgebirge. Glücklich, etwas erschöpft und sentimental steigen wir in die älteste Schwebebahn Deutschlands. Sanft bringt sie uns hinunter ins Tal – ein feiner Abschluss einer erlebnisreichen Fernwanderung.

Gipfelankunft auf dem Fichtelberg in Oberwiesenthal

Gipfelankunft auf der höchsten Erhebung Sachsens: dem Fichtelberg bei Oberwiesenthal


K3 – Museum für Wintersport und Stadtgeschichte in Oberwiesenthal

Dieses Museum in Oberwiesenthal hat uns mitten im Hochsommer sehr begeistert. Neben dem Thema Winter, Eis und Schnee rückt das Museum die Erfolgsgeschichte des Wintersports in der Region und insbesondere die Athletinnen und Athleten in den Langlauf- und Sprungdisziplinen in den Mittelpunkt. Unvorstellbar, dass die Sportlerinnen und Sportler bereits 1975 rund 10000 Laufkilometer pro Jahr absolvieren mussten. Ein wahrer Blickfang ist die lange Wand der Medailiengewinnerinnen und -gewinner, die im Trainingszentrum in Oberwiesenthal aktiv waren und sind. Sylke Otto, Eric Frenzel, Jens Weißflog schrieben deutsche Wintersportgeschichte und auf ihren Erfolgswolken lässt es sich hier wunderbar wandeln.K3 Museum in Oberwiesenthal – Museum für Wintersport und Stadtgeschichte


Alle Informationen auf einen Blick

ZUR TOUR

Start/Ziel: Wir wollten den offiziellen Startpunkt des Kammwegs unbedingt besuchen und sind auf der Etappe 1 von Geising bis Altenberg entlang „geschnuppert“. Sind dann zum Schwartenberg bei Seiffen gefahren und haben in fünf Tagesetappen, rund 85 Kilometer des Kammwegs bis auf den Fichtelberg bei Oberwiesenthal unter die Wandersohlen genommen.
Gesamtlänge: Der Kammweg führt insgesamt auf rund 287 Kilometer von Geising bei Altenberg im Erzgebirge bis nach Blankenstein in Thüringen.

CHARAKTER

Der Kammweg ist ein Fernwanderweg und ein zertifizierter Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. Er ist durchgängig mit einem einheitlichen Markierungszeichen ausgeschildert. Auf den 287 Kilometern gilt es insgesamt rund 6000 Höhenmeter zu erobern. Auf dem größten Teil der Strecke durch das Erzgebirge führt der Weg durch Waldabschnitte. Die Wege sind gut präpariert und führen überwiegend auf breiteren, gut begehbaren Schotterwege, so dass auch ein zügiger Schritt möglich ist. Auch der eine oder andere schmale Pfad ist dabei. Auf den zu erobernden Bergen wie dem Hirtstein, dem Bärenstein und dem Fichtelberg werden eindrucksvolle Aussichten ausgerollt. Die Infrastruktur zur Verpflegung ist teils ausgedünnt. Wir empfehlen für die Pausen unterwegs einen Rucksackproviant und ausreichend Trinkwasser mitzunehmen. Dann kann man den Einkehrmöglichkeiten unterwegs sehr entspannt entgegenblicken.

BESTE WANDERZEIT

Den Kammweg kann man offiziell vom 1. Mai bis 31. Oktober begehen. In den übrigen Monaten liegt er im Winterschlaf. Die einzelnen Etappen führen häufig durch bewaldetes Gebiet, dort findet man auch im Hochsommer Schatten.

KAMMWEG ERZGEBIRGE: UNSERE ETAPPEN IM ÜBERBLICK

Schnupperetappe: Geising (offizieller Startpunkt des Kammwegs) nach Altenberg (6,4 km, 300 hm)
1. Etappe: Schwartenberg über Seiffen nach Grünthal-Olbernhau (14,6 km, 330 hm)

2. Etappe: Olbernhau-Grünthal nach Rübenau (18,8 km, 510 hm)
3. Etappe: Rübenau auf den Hirtstein (bei Satzung) (20 km, 370 hm)
4. Etappe: Hirtstein auf den Bärenstein (23,4 km, 550 hm)

5. Etappe: Bärenstein nach Oberwiesenthal (20,1 km, 740 hm)

AN- UND ABREISE:

Wir empfehlen die Anreise mit der Deutschen Bahn sowie dem ÖPNV. Somit kann man am Ende der Wanderung entspannt (ohne Transferlogistik zum geparkten Fahrzeug) die Heimreise antreten. Weitere Infos

ÜBERNACHTEN UND EINKEHREN:

Hotel Ratskeller, Geising
Hotel Saigerhütte, Olbernhau-Grünthal
Gasthaus Rübenau
Berggasthof Hirtsteinbaude auf dem Hirtstein
Berghotel Bärenstein
Panoramahotel Oberwiesenthal
Auf einigen Etappen ist das Übernachtungsangebot (noch) überschaubar; wir empfehlen auf jeden Fall im Vorfeld zu buchen.
Überblick über alle Übernachtungsmöglichkeiten am Kammweg 

AUSGEWÄHLTE SEHENSWÜRDIGKEITEN UND AKTIVITÄTEN ENTLANG DER STRECKE:

Louisenturm am Geisingberg (Schnupperetappe)
Arno Lippmann Schacht, Pinge, Altenberg (Schnupperetappe)
UNESCO- Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, Saigerhütte in Olbernhau-Grünthal
Museumsbahn Preßnitztalbahn

KARTEN UND REISEFÜHRER

Wanderführer Kammweg Erzgebirge – Vogtland, Conrad Stein Verlag, ISBN: 978-3-86686-675-1
Hikeline Wanderführer Kammweg Erzgebirge – Vogtland, Verlag Esterbauer, ISBN: 978-3-7111-0034-4
Leporello Wanderkarte Kammweg Erzgebirge – Vogtland, 1.25.000, Publikpress, ISBN: 978-3-89920-658-6

INFORMIEREN:

Informationen zum gesamten fast 300 Kilometer langen Kammweg, Unterkünften, Gepäcktransfer sowie weiteren Serviceangeboten gibt es hier: Kammweg im Erzgebirge

Ihr habt auch Lust auf eine Biketour im Erzgebirge?! Dann schaut doch mal auf unserer BLOCKLINE vorbei.
Weitere Bildeindrücke unserer Fernwanderung auf dem Kammweg im Erzgebirge:

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