Wanderweg Teinacher im nördlichen Schwarzwald

Mathildenstaffel

Die vielen Stufen der Mathildenstaffeln sind DIE sportliche Herausforderung der Wanderung.

Das Teinachtal im Nordschwarzwald bietet mit dem Wanderweg Teinacher, dem Wasser-, Wald- und Wiesenpfad sowie dem Genießerpfad Wolfsgrube gleich drei premiumzertifizierte Schwarzwälder Genießerpfade an. Bestens ausgeschildert, kann man diese Wanderungen ohne große Vorbereitung und ohne zwingende Landkarte zur Orientierung unter die Wandersohlen nehmen. Den in einzelnen Abschnitten durchaus sportiven Teinacher kann man auch sehr gut im schneefreien Winter gehen. Die blattlosen Bäume bieten dann eine gute Sicht und im Sommer gibt es dort zahlreiche schattige Abschnitte. Der Name ist Programm. Natürlich führt die Strecke insbesondere am Anfang und Ende der Wanderung an der rund 15 km langen Teinach entlang. Und auch die aus Teinach stammenden Mineralwasser etc. spielen auf der Wanderung eine große Rolle.

Aussichtauf dem Zuweg der Tour

Schon auf dem “Zustieg” zur Tour bietet sich uns ein schöner Aussichtspunkt, der aber noch zum Genießerpfad Wolfsgrube gehört.

Gleich zu Beginn der Wanderung schlängelte sich unser Weg am Waldrand entlang. Wir machen schnell Bekanntschaft mit der Scheffelhöhe, die nach dem Dichter Joseph Victor von Scheffel benannt ist. Von hier gibt es einen guten Blick auf das gemütliche Bad Teinach, sehr schnell folgt die „Schöne-Aussichts-Hütte“ auf unserem Weg. Schön daran, der Blick hinauf zum gegenüberliegenden Zavelstein, das schon in der Sonne badet und zum Bergfried der gleichnamigen Ruinen. Bis wir dort ankommen dauert es noch eine ganze Weile, aber der Appetithappen macht Lust. Unter uns breitet sich das Betriebsgelände, der Mineralbrunnen GmbH aus. Wesentlich prickelnder als das Gelände selbst, kommen beispielsweise die vom Unternehmen gesponserten Sitzgelegenheiten auf der gesamten Strecke daher. In unterschiedlichen Designs begegnen uns Bänke, die immer auch die imposante Mineralwasserflaschenform aufgreifen.

Blick auf bad Teinach

Während sich andere in der Therme sonnen und baden, genießen wir den Blick auf die Stadt und die bald erreichbare Einkehr auf der anderen Talseite.

Die Überquerung der Teufelsbrücke und Tankstelle Teinacher

Die Teufelsbrücke kündigt sich an und die Spannung steigt. Kennen wir doch bereits eine sehr imposante Teufelsbrücke inklusive Sage bei Sigmaringen auf dem Kloster-Felsenweg. Zugegebenermaßen kann die Brücke aus Sandsteinquadern, die die Teinach überquert unsere hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen. Allerdings ist die alternative Überquerungsmöglichkeit direkt von Stein zu Stein über den Fluss eine abenteuerliche Möglichkeit. Leider ist das bei unserer Wanderung keine Option: Die sonst brave Teinach hat sich nach den üppigen Regengüssen zu einem kleinen reißenden „Amazonas“ verwandelt. Die Trittsteine sind überspült und das als Handlauf fungierende Seil lässt weniger vertrauenserregend den Kopf hängen. Rasch überqueren wir die K 4329, eine der wenigen Straßen, die der Weg tangiert. Aus dieser Talsohle wandern wir dann auf der anderen Straßenseite gespannt dem angekündigten Teinacher entgegen. Die Waldpassage durch den Mischwald ist sehr entspannend. Beim Teinacher angekommen erwartet uns ein sonniges Sitzplätzchen in besagtem Flaschenstyle. Der große Clou ist allerdings die rund 2,50 hohe hölzerne Mineralwasserflasche; aus deren Bauch man sich ab dem Frühjahr wieder gegen einen Obulus in die Vertrauenskasse mit einem Mineralwasser bedienen kann.Schankstelle Teinacher sozusagen. Solche Versorgungsstationen sind zwar nicht neu, aber immer wieder begeistern sie uns! Wir haben zum Glück auch ein Rucksackvesper dabei und stärken uns für die nun bevorstehenden schweißtreibenden Stufen der Mathildenstaffel.

Sprung übers Bachbett

Wenn auch nur ein kleiner Schritt, ist es doch in der feuchten Jahreszeit recht rutschig auf den Felsen.

Durch die grüne Hölle

Diese „Treppenanlage“ führt auf 600 Bundsandsteinstufen durch den Wald hinauf auf den Emberg. Mystisch, märchenhaft oder romantisch, auf jeden Fall sehr einsam und auch eindrucksvoll führt der Weg über viele ausgetretenen Stufen Berg an. Im Winter und nach Regenfällen ist diese abenteuerliche fast schon alpine Passage durchaus anspruchsvoll. Das herumliegende nasse Laub und Moos macht den Untergrund sehr glitschig und jeder Tritt sollte gut platziert werden. Genau aus diesem Grund wird es auch empfohlen die Strecke im Uhrzeigersinn zu begehen. Neben uns bauen sich mächtige Felsformationen aus dem roten Sandstein auf und gestalten diesen Abschnitt zu einem wunderbaren Wandervergnügen. Auch hier kommt der Bonus der laublosen Bäume gut zur Geltung und die strahlende Sonne lacht mit uns um die Wette. Der Bergfried von Zavelstein rückt immer näher und wir freuen uns schon darauf, bald von ihm herunterzublicken und die Aussicht zu genießen. Am Emberger Burgblick (603 m) angekommen, vermissen wir den angekündigten Blick, aber die ersten Frühlingsvögel zwitschern und wir freuen uns auf die Wolfsschlucht, die uns der Wegweiser auf der Hochfläche ankündigt. Eine ebenfalls wunderbare Passage entlang des plätschernden Baches, den es auch mit einem großen Schritt zu überqueren gilt, machen wir einen Miniabstecher zur Berghütte. Dort präsentiert sich nun endlich die Ruine Zavelstein, aber bevor wir endgültig dort ankommen, wartet noch ein grandioser Abstieg entlang des rauschenden Rötenbachs durch eine grüne Hölle. Das Moos klettert meterhoch an den Nadelbäumen hinauf, um dann als langer Bart von den kleinsten Zweigen herunterzuhängen. Die Steine sind mit einem satten Moosteppich überzogen und Farne hängen wie wilde Lianen von den Ästen. Wir können von dieser wilden Unberührtheit gar nicht genug bekommen und genießen diese einsame Schönheit.

Feuchtwald

Moosbehangene Bäume und rauschender Bach – Schwarzwaldidylle pur!

Dann freuen wir uns auf die Einkehr auf der sonnigen Sonnenterrasse der Schlossberghütte, die ebenfalls nur wenige hundert Meter vom Genießerpfad Teinacher entfernt liegt. Nicht gerade zierlich kommt die aus massiven Stämmen der einheimischen Weißtanne bestehende Hütte daher. Sie gehört zum im Tal liegenden Hotel Therme und bietet eine kleine regionale Vesperkarte. Die üppigen Schwarzwälder Kirschtorten-Stücke lachen uns verführerisch an, aber wir entscheiden uns für einen dampfenden Topf mit deftigem Gaisburger-Marsch. Gut gestärkt erobern wir weitere Stufen hinauf ins sonnenverwöhnte Zavelstein, dem „Städtle“ mit unglaublich viel Fachwerkcharme. Die Treppen hinauf auf den 28 m hohen Burgfried sollte man sich auf jeden Fall wagen. Dort gibt es nicht nur einen 360 Grad-Blick (bei guter Sicht auch mit Alpensilhouette) sondern man sieht auch hinüber zum Wanderheim Zavelstein, das nur rund einen Kilometer entfernt liegt. Das Wanderheim ist auch einer der Naturparkwirte, die hier im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord für besonders regionale Speisen stehen. Dementsprechend großartig liest sich die Speisekarte. Sehr schade, dass wir gerade erst gegessen haben. Denn so ein Wurstsalat mit Spätzle, würde uns schon sehr interessieren.

Aussicht vom Burgfried

Aussicht vom Burgfried in Zavelstein

Abstecher zu den Krokusblüten

Zavelstein ist übrigens sehr bekannt für die im Frühjahr über und über mit hunderten lila Krokussen überzogenen Wiesen. Es gibt auch einen 4,5 km langen Krokusweg, der sowohl an der Ruine Zavelstein, am Wanderheim und an den Krokuswiesen vorbeiführt. Wir machen dorthin auch einen kleinen Abstecher, aber Mitte Februar strecken nur wenige einzelne Blüher ihr lila Köpfchen hervor. Ab Mitte März ist die Blütenpracht wohl auf ihrem Höhepunkt. Wie wir von einigen Wanderern hören, die Anzahl der Blütenbegeisterten allerdings auch.
Von der Burgruine, die auch den höchsten Punkt der Tour markiert, führt uns der Teinacher dann wieder durch den Wald hinunter ins Tal. Ungewöhnlich die Adolfshöhe, die uns unvermutet und an einen Holztempel erinnernd plötzlich im Wald begrüßt. Abschließend gelangen wir ganz nah an die Teinach heran und der letzte Kilometer zurück zum Freibad beschert uns fast schon nasse Füße.

Krokus im Winter

Einzelne blühende Krokusse konnten wir auch schon im Februar erspähen.

Unser Fazit: Eine Wanderung, die auch im schneefreien Winter und Frühling mit geringer Belaubung sehr reizvoll ist. Auch wenn man dann wahrscheinlich nicht den Weg direkt über die Teinach sondern über die Teufelsbrücke gehen muss.  Nach dieser Passage sammelt die Wanderung ganz viele Pluspunkte. Es bieten sich auch zahlreiche Sitzmöglichkeiten für das Vesper aus dem Rucksack, es gibt aber auch mehrere Einkehrmöglichkeiten. Der Aufstieg über die Mathildenstaffel ist nicht zu unterschätzen und die empfohlene Gehrichtung wahrlich hilfreich!

Infobox:

Länge: 11,5 km

Höhenmeter Aufstieg: 445 m

Höchster/tiefster Punkt: 786 m/296 m

Parkmöglichkeiten: Am Freibad in Teinach.

Anreise mit dem ÖPNV: Teinach besitzt einen Bahnhof und ist in das  ÖPNV-Netz eingebunden.  Nutzung der KONUS-Karte sehr empfehlenswert!

Übernachtungsmöglichkeit: Wir waren auf dem Camping Erbenwald in einem Schlaffass.

Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke: Schlossberghütte, Wanderheim Zavelstein (kleiner Abstecher)

Wer mehr zur Krokusblüte in Zavelstein erfahren möchte, wird bei Antje von DelicousTravel fündig.

Weitere Genießerpfade im Schwarzwald könnt ihr hier recherchieren.


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Eine Antwort zu Wanderweg Teinacher im nördlichen Schwarzwald

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