Schneeschuh-Spaß in Oberreute im Allgäu, garantiert anfängergeeignet

Oberstaufen Oberreute

Idyllischer Ausgangspunkt für herrliche Schneeschuhtouren – Oberreute

Oberreute im Westallgäu ist der Inbegriff von Landschaftsidylle, liegt rund zehn Kilometer von Oberstaufen entfernt und ist von Stuttgart aus bei freien Autobahnen (die es tatsächlich gibt) in rund zwei Stunden entspannt erreichbar. Die Zwiebelturm-Kirche ist schon von Weitem gut zu erkennen, ansonsten bietet der Ort eine Metzgerei und zum Glück einige bodenständige 3-Sterne Hotels und Wirtschaften mit soliden Namen wie man sie im süddeutschen Raum liebt: die Krone, der Adler, der Hirschen. Hier steht die regionale Küche mit Schweinsbraten, Knödeln, Kraut und natürlich den Allgäuer Kässpätzle mit Bergkäse aus der Nachbarschaft ganz oben auf der Karte. Bier- insbesondere Weißbierliebhaber können in einer großen Auswahl an lokalen Biersorten schwelgen. Alles in allem gute Voraussetzungen für ein zünftiges Schneeschuh-Wochenende im Allgäu.

Oberreute Bayern Allgäu

Der erste Anstieg wird mit Schwung genommen.

Da sich die „perfekte“ Schneelage kurz vor dem Drei-Königsfeiertag 2017 sozusagen fast über Nacht eingestellt hat, waren wir erdenklich schlecht vorbereitet und hatten bei unserer Ankunft noch keinen Plan, welche Schneeschuh-Touren wir gehen können. Klar war nur, dass wir ausschließlich uns und nicht unser Auto bewegen wollten und somit alle Touren möglichst direkt in Oberreute starten sollten. Die kleine Tourismusinformation im Haus des Gastes im Ort war bei unserer Ankunft bereits geschlossen und wir haben unsere Touren mit Hilfe der Oberreute-Wanderkarte, die wir von unseren Wirtsleuten erhielten geplant. Zwei ganz unterschiedliche Schneeschuhtouren von Oberreute nach Sulzberg und von Oberreute durch die Hausbachklamm haben uns besonders gut gefallen.

Winterwandern in Bayern und Vorarlberg

Bei Neuschnee sind die Winterwanderwege noch jungfräulich verschneit.

Schneeschuh Tipp 1: Oberreute – Sulzberg: Unterwegs auf dem Sonnenlaufsteg

Direkt am Hochsträßlift in Oberreute hat man einen guten Einstieg in die auch für Schneeschuh-Novizen gut geeignete Tour. Wer ohne eigenen Schneeschuh-Ausrüstung unterwegs ist, kann sich direkt dort auch Schneeschuhe und Stöcke ausleihen. Auch gibt es hier die Antoniushütte eine kleine Einkehrmöglichkeit, um die kalten Zehen und Nasen wieder aufzutauen. Wer allerdings atemlos mit Helene-Fischer schwoofen will, hat hier wenig Spaß. Hier dudelt eher ganz leise und im Hintergrund Heino und der blaue Enzian aus dem Radio. Bevor es aber in die Einkehr geht, erobern wir erstmal den Hang  parallel zur Skipiste, um hinauf auf die Martinshöhe (953 m) zu gelangen. Das Gipfelkreuz der Anhöhe lassen wir aber erst noch links liegen und heben es uns für die Rücktour auf. Verlaufen kann man sich hier wahrlich nicht, denn es führen verschiedenste Ausschilderungen den Berg hinauf. Die Schneedecke trägt gut und so „malen“ wir unsere Spuren mitten durch den Tiefschnee. Das Geläut der Kirchturmglocken hört man von hier oben ganz besonders hell und den Blick hinunter nach Oberreute könnte man nicht schöner malen: blauer Himmel, glitzernder Schnee und strahlender Sonnenschein.

Grenzgebiet Bayern - Österreich

Rast an der alten Grenzstation *Hochsträß*

Parallel zur Loipe, entlang der gewalzten Strecke oder mitten durch den unberührten Schnee

Oben angekommen, kann man sich gut an der gelb-weißen-Markierung orientieren, um nach Sulzberg, das bereits in Vorarlberg in Österreich liegt, zu gelangen. Wer dem Wandersymbol vom „Grenzerpfad“ folgt und sich somit auf die Spuren der ehemaligen Schmuggler begibt, gelangt über Bruckmoos und Kalter Brunnen zum Hochsträß (1041 m) und ist auf der richtigen Fährte. Wer lieber parallel zur Langlauf-Loipe gehen will oder den gewalzten Winterwanderweg bevorzugt, kommt auch ans Ziel. Nicht zu vergessen die Wegausschilderungen der Allgäuer Wandertrilogie, die ebenfalls nach Sulzberg führen, man kann sich also wahrlich nicht verlaufen. Bei strahlendem Sonnenschein, ist man zumindest auf den gewalzten Wegen nicht alleine unterwegs. Mit unseren Schneeschuhen unter den Füßen sind wir hierauf nicht angewiesen und nutzen mal diesen mal jenen Weg mal im Tiefschnee, der sich wie ein weißer unberührter Flokatiteppich vor uns ausbreitet, und mal ganz zivilisiert. Egal welche Wegoption man nutzt, am Hochsträß treffen sich alle Wanderer, Schneeschuh-Gänger und Loipinisten. Die Bänkchen dort laden auf jeden Fall zu einer Pause mit dem eigenen Vesperbrot ein, die Einkehrmöglichkeiten sind hier eher rar gesät. Am Hochsträß verläuft in Sichtweite die Grenze zwischen Bayern und Vorarlberg und ein altes eingerichtetes Grenzerhäuschen erweckt den Eindruck als wäre der Zöllner gerade mal kurz in der Mittagspause. 

Westallgäuer Alpenblick

Panoramablick auf die Nagelfluhkette in den Alpen.

Sonnenbalkon mit Blick auf die Nagelfluhkette

Nach der Pause führt der linke Weg dann nochmal hinunter und hinauf bevor wir auf dem langen schnurgeraden Panoramaweg im schönsten Sonnenschein und mit herrlichem Blick auf die Nagelfluhkette Sulzberg „flanieren“. Das Hochsträßstüble liegt hier auch fast am Wegesrand, wir sind aber nicht ganz so gut darauf zu sprechen. Denn serviert wird nur im Gastraum und man darf sein Getränk auch bei schönstem Wetter nicht mit nach draußen nehmen. Also nichts für wahre Outdoor-Freunde und Sonnenanbeter! Bis nach Sulzberg brauchen wir jetzt noch rund 30 Minuten und hier warten dann einige Restaurants auf hungrige und durstige Wintersportler. Wirklich phantastisch ist das Bergpanorama, das wir vom Aussichtsbalkon in der Ortsmitte bekommen. Das Bergtableau gibt eine hilfreiche Orientierung und so können wir die imposante Mittagsspitze und weitere Gipfel wunderbar erkennen.
Wer nach dem rund fünf Kilometer langen Hinweg die Tour nun beenden möchte, kann sich einfach für den Rückweg nach Oberreute in den Bus setzen, der allerdings nur sehr selten fährt.

Mit Schneeschuhen im Wald.

Der Rückweg führt uns öfter auch durch den verschneiten Winterwald.

Wir nutzen das herrliche Wetter und machen uns auf unseren Schneeschuhen wieder auf den Rückweg. Orientieren uns auch hier wieder am bunten Schilderwald, nutzen aber trotzdem andere Wegabschnitte, um noch mehr von der Landschaft kennenzulernen. Zum Abschluss der Tour steuern wir das Kreuz auf der Martinshöhe an, das wir auf dem Hinweg nicht direkt passiert haben. Dort ist der Ausblick nach Sonnenuntergang zur Blauen Stunde mit einer Tasse heißem Tee in der Hand ein wahrer Outdoor-Hochgenuss. Das Abgleiten im frischen Pulverschnee mit Schneeschuhen ist wundervoll und wir tollen gerne durch den Schnee. Es ist wirklich sehr einfach auch relativ steile Berge auf Schneeschuhen hinunter zu gehen. Rund fünf Stunden später stehen wir wieder unten am Skilift und freuen uns, dass in der Antoniushütte noch Licht brennt. Heino wir kommen!

Gipfelkreuz der Martinshöhe

Das Beste zum Schluss: Die Blaue Stunde auf der Martinshöhe.

Schneeschuh Tipp 2: Von Oberreute durch die Untere Hausbachklamm nach Weiler

Direkt beim Hotel Krone (gegenüber von der Heimatstube) führt der Wanderweg (gelb-weiße Markierung) nach Weiler. Diesen gehen wir noch ohne unsere Hilfsmittel unter den Füßen und schnallen wenig später erst beim letzten Haus die Schneeschuhe an und folgen dem Weg entlang der Koppel nach unten. Die Landschaft zeigt sich als riesiger weißer Hügel-Teppich, der heute allerdings nicht in der Sonne glitzert, denn es schneit. Unten angekommen überqueren wir einen Bach und kommen an den wenigen Häusern von Unterreute vorbei, bevor der Weg nach Längene ansteigt. Trotz Schnee sind die  Markierungen hoch genug angebracht und die beruhigende Wirkung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, tritt ein. Nach der Straßenüberquerung kürzen wir ab, gehen den Hang hinunter und kommen am Standortschild „Hausbachklamm“ an. Wer nun nach links geht entscheidet sich für die Obere Hausbachklamm in Richtung Sulzberg, das wir ja aber schon kennen. Wir schlagen also den Weg zur Unteren Hausbachklamm ein und schnell verschafft uns ein schmaler Pfad Zutritt in ein völlig unberührtes Winterwonderland.

Schneeschuhtour Hausbachklamm

Tiefverschneit läßt es sich auch in der Hausbachklamm vorzüglich mit den Schneeschuhen gehen.

Spuren ziehen in der winterlichen Hausbachklamm

Rechts vom Hausbach, den wir zu Beginn nur erahnen können, denn auch über ihm liegt ein Schneeteppich, schlängelt sich ein schmaler Pfad über verschneite Holztreppen und Brücken. Die Bäume sind ebenfalls dick bezuckert und gelegentlich gibt es eine Schneedusche von oben, wenn sich die Äste unter der weißen Pracht schütteln. Außer uns ist niemand unterwegs, nur das leise Bachgurgeln ist zu hören und auch der weitere Schneenachschub von oben tanzt in leisen Flocken daher. Der Weg ist sehr gut zu begehen, die Holzstufen sind zwar sehr schmal, so dass gerade mal ein Schneeschuh drauf passt, aber häufig kann man die Treppen auch umgehen. Was ein bisschen Kondition und auch Konzentration erfordert, aber gut machbar ist. Unsere Tour ist ein Streckenabschnitt auf dem Westallgäuer Wasserweg und im Sommer bestimmt auch ein Wanderhit. Wir freuen uns allerdings wie Schneekönige und Eisprinzessinnen, dass wir hier im Winter unterwegs sind.

Schneeschuh Sprung

Auch bei weniger gutem Wetter macht eine Wintertour so richtig Laune!

Nachdem wir die Straße Richtung Trogen überquert haben, gibt es einen kleinen Perspektivenwechsel und wir laufen links vom Hausbach an der Klamm entlang. Hier wird es dann auch etwas sportiver, denn die Brückenüberquerungen werden noch schmaler, so dass Geschicklichkeit und Balancieren gefragt ist. Die meisten Treppenstufen führen nun auch nach unten und Stöcke sind hier ein absolutes Muss. Die Ablenkungsmanöver der Natur sind wahrlich verlockend, denn riesige wundervolle Eiszapfen-Formationen am Wegesrand und unten in der Klamm, gibt es zu entdecken. Für unseren Geschmack könnte der Weg noch ewig so weitergehen, aber irgendwann hat er dann leider doch ein Ende. Ein ganz schönes Ende, denn nachdem wir die Kapfmühle passiert haben und Weiler schon erreicht haben, stapfen wir noch immer auf unseren Schneeschuhen an der Lourdes-Kapelle vorbei. Die zwar leider verschlossen ist, aber der Blick durch´s verzierte Fenster zeigt eine hübsche kleine Grotte.

Kulinarische Stärkung in Weiler

Kurz darauf stoßen wir auf die Straße an der Kirche in Weiler und wir entdecken auch schon eine der zahlreichen Einkehrmöglichkeiten. Nach rund 2:30 Stunden haben wir das auch verdient. Wir gehen schnurstracks zum Braustüberl der Brauerei Post, denn es ist bereits 13 Uhr 20 und nach 14 Uhr bleibt die Allgäuer Küche in der Regel kalt! Wer sich hier durch alle brauereieigenen Biersorten trinken möchte, hat einiges zu tun. Wir stärken uns mit eingelegtem Rindfleisch mit Bratkartoffeln. Die dünn aufgeschnittenen Fleischscheiben werden in einer würzigen sauren Marinade serviert, sehr lecker!

Eiszapfen in der Hausbachklamm

Wunderschöne Eiszapfenformationen – das macht das Erlebnis Klammwandern im Winter aus!

Für den Rückweg schlagen wir den direkten, kürzeren aber auch steileren Weg ein

Für den Rückweg nach Oberreute gibt es grundsätzlich drei Optionen. Die Rückfahrt mit dem Bus oder der Rückweg zu Fuß entweder identisch wie der Hinweg durch die Hausbachklamm, was wir aber in der Dämmerung oder in der Dunkelheit nicht empfehlen. Wir entscheiden uns für den kürzeren und schnelleren Weg. Hierfür gehen wir ebenfalls den bekannten Weg vorbei an der Lourdes-Kapelle zurück, überqueren dann aber zeitnah den Bach über eine Brücke und folgend der gelb-weißen Markierung über Hasenried. Der Weg führt kurz entlang der geräumten Straße und dann geht es über eine längere Wegstrecke ziemlich steil Berg auf und hier sind die Schneeschuhe auch wieder sehr hilfreich. Erst als wir auf die Beschilderung „Altes Kirchsträßle“ stoßen wird es endlich wieder eben. Die mit 60 Minuten angekündigte Gehzeiten schaffen wir nicht, wir schlagen erst nach rund 90 Minuten wieder in Oberreute an.

Tagesabschluss Skihütte

Aprés Ski auch für Schneeschuhgänger in der Antoniushütte

Einkehrmöglichkeiten in Oberreute:

Antoniushütte am Skilift, Familie Schwendinger, Freibadweg, Telefon: 08387/3920120, Handy: 0172-7402447

Übernachtungstipps in Oberreute:

Landhotel-Restaurant Krone, Hauptstr. 40, Telefon: 08387/2536, info@krone-oberreute.de
Ruhetag: Dienstag und Mittwoch
Donnerstag und Freitag ab 17.00 Uhr geöffnet
Öffnungszeiten: 9.00 Uhr – 13.30 Uhr und ab 17.00 Uhr
Warme Küche: 11.30 – 13.30 Uhr und 17.00 – 20.45 Uhr

Gasthof / Pension Adler, Hauptstr. 7, Telefon: 08387/2588, info@adler-oberreute.de
Ruhetag: Montag
Öffnungszeiten: 8.00 – 14.00 Uhr und 17.00 – Ende
Warme Küche: 11.30 – 14.00 Uhr und 17.00 – 21.00 Uhr

Einkehrmöglichleiten in Sulzberg:

Gasthof und Cafe Hochsträßstüble (direkt an der Loipe gelegen), Gmeind 217, 6934 Sulzberg, Österreich

Einkehrmöglichkeit in Weiler/Simmerberg:

Zur Post – Hotel & Gasthof, Fridolin-Holzer-Str. 4, 88171 Weiler im Allgäu, Telefon:  08387 1070, reservierung@postinweiler.de

Schneeschuhverleih in Oberreute am Skilift:

Schwendinger Sports, Freibadweg, Telefon: 08387/3920120

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7 Responses to Schneeschuh-Spaß in Oberreute im Allgäu, garantiert anfängergeeignet

  1. Wie läuft es sich denn mit Schneeschuhen, Silke? Wir haben das bisher noch nicht ausprobiert.

    • Outdoor Hochgenuss says:

      Ist total einfach. Ihr müsst nur etwas breitbeiniger laufen als normal. Bergab im Schnee gibt´s richtig Spaß und bergauf helfen die „Eisenkrallen“ richtig gut! Probierts mal!

  2. Antje says:

    Wir sind jetzt auch auf den Geschmack gekommen und haben uns Schneeschuhe gekauft. Es ist einfach herrlich, durch die unberührte Landschaft zu laufen.

  3. Sabine says:

    Grandios – sieht nach einer echt tollen Schneeschuh-Region aus! Ich liebe Winterurlaub ohne den alpinen Groß-Skizirkus!

  4. Andreas says:

    Hallo Thomas und Silke,

    da habt Ihr im Allgäu eine schöne Schneeschuhtour gemacht. Die Natur im Winter mit Schneeschuhen zu erleben ist bei dieser Schneelage bei uns ein Traum. Ihr habt dies mit schönen Bildern eingefangen.

    Du schreibst bei freien Autobahnen ist man von Stuttgart in zwei Stunden in Oberreutte. Doch wann gibt es freie Autobahnen? Ich stand bei meinen letzten Fahrten von Stuttgart ins Allgäu jedesmal ewig im Stau und bin umgestiegen auf die Bahn. Stuttgart Kempten geht manchmal schneller als mit dem eigenen Wagen.

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