Vom mittelalterlichen La Garde Guérin hinunter an die Gorges du Chassezac

Gorges des Chassezac

Aussicht in die Schluchten des Chassezac

Wer einen „Spaziergang“ durch eines der schönsten mittelalterlichen Dörfer Frankreichs mit einer Wanderung hinunter in die Gorges du Chassezac verbinden möchte, findet im Örtchen La Garde Guérin den idealen Ausgangspunkt.

La Garde Guérin

La Garde Guérin

Naturidylle mit quietschgelbem Ginster und französischen Krimischafen
Nachdem das Auto auf einem der am Wochenende heiß begehrten  Parkplätze steht, schnüren wir die Wanderstiefel und folgen der Ausschilderung durch den Ort nach „Le Mont“. An der  Bergerie, einem alten ziemlich großen und verfallenen Holzstall angekommen, gehört uns die blühende Landschaft ganz alleine. Nur das Zirpen der Grillen, Blöken der weidenden Schafe und der Wind sind zu hören.

Schafskrimi

Schafe auf der Weide

Ob die Schafe hier wohl den irischen Schafskrimi Glenkill kennen? Es würde uns jedenfalls nicht wundern, wenn sie in dieser einsamen Szenerie an einer französischen Fortsetzung arbeiten. Das Quietschen der Fensterläden des Stalls im Wind bietet auf jeden Fall trotz strahlend blauem Himmel eine perfekte Krimi-Kulisse. Der schmale von Ginster umrahmte Feldweg führt uns links am Stall vorbei bis zu einem ehemaligen Transformatorenturm und einem Wegkreuz. Bei „Les Ritournelles“ (860 m) geht es über eine Schafsbarriere weiter gerade aus. Noch mehr Schafe dekorieren hier malerisch die Landschaft und lassen sich von uns Wanderern nicht stören. Bei „La Roubière“ geht es weiter auf dem blühenden von kleinen Felsmauern gesäumten Weglein in Richtung „Le Mont/L´Estrechet/La Viala“. Bei „L´Estrechet“ zweigen wir links ab in Richtung „Loubat“, ein Warnschild weist uns Wanderfreunde darauf hin, dass die Begehung auf eigene Gefahr erfolgt, das verstehen auch wir mit unseren überschaubaren Französischkenntnissen.

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Einsames Weglein hinunter zur Schlucht

Felsiger Abstieg in die Schlucht durch einen Kastanienhain
Rund 45 Minuten führt uns ein schmaler felsiger Pfad in engen Serpentinen den Hang durch einen Kastanienhain hinunter in Richtung der Gorge. Der Weg ist definitiv weder Kinderwagen noch Rollatoren geeignet – auch Wanderstöcke sind auf den glatten Felsbrocken keine Hilfe. Einige kleine Kletterpassagen sind auch dabei und wir fühlen uns mit den knöchelhohen Wanderstiefeln gut ausgestattet. Der mit „Kastanienigeln“ übersäte Weg ist im Herbst, wenn die Châtaigne wie die Esskastanien hier genannt werden, reif sind, ein wahres Sammlerparadies. In „Loubet“ auf 480 m angekommen, ist das Rauschen der Schlucht schon gut hörbar. An der alten Steinruine biegen wir links ab und gelangen kurz darauf an den Wegweiser „Le Bial“ und folgen noch weiter in Richtung „Chalmette“, wissend dass wir hierher nachher für den Rückweg zurückkehren müssen. Kurz darauf sehen wir die Schlucht mit den riesigen Felsen, einer Cascade und einer wackeligen Hängebrücke, die weiter führt nach „Chalmette“. Für uns ein idealer Rastplatz um unser Picknick mit französischen Spezialitäten wie frischem Baguette, Pate und Käse auszubreiten. Wenn wir unseren Kopf ganz in den Nacken nehmen, erahnen wir oben die Felskante auf der unser Ausgangspunkt La Garde Guérin sitzt.

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Esskastanien und ein perfekter Ausblick

400 Höhenmeter Aufstieg zurück zu unserem Ausgangspunkt
Auf der ersten Hälfte des Aufstiegs begleitet uns wieder die schon bekannten Flora mit: Ginster, Kastanien, Schafgarbe und einigen lila Farbtupfern, die wir Nichtbotaniker einfach nur hübsch finden. Dann tut sich die Sicht zur linken Seite auf und wir haben einen herrlichen Blick hinunter zur Schlucht und zu den gegenüberliegenden kleinen Orten. Je weiter wir nach oben gelangen desto größer werden die Felsen am Wegesrand und dann lugt auch der Turm von La Garde Guérin hervor, ein sicheres Zeichen wir sind richtig. Wir gelangen wieder an den Wegweiser „Les Ritournelles“ überklettern dieses Mal die andere Schafsbarriere und gehen das verbleibende Stück auf dem bekannten Hinweg. Die Schafe grasen noch immer an der Bergerie und auch die Fensterläden quietschen noch etwas gespenstisch im Wind. An welchem Krimi-Kapitel die Schafe wohl gerade arbeiten?

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Wackelige Angelegenheit, die Brücke über die Gorges.

Abends versprüht La Garde Guérin seinen ganzen Charme,
Wer La Garde Guérin, eines der schönsten Dörfer Frankreichs fast für sich alleine genießen möchte, sollte sich eine Übernachtung in der Auberge Régordane gönnen, die von März bis Oktober geöffnet ist. Der mit gestickten Gobelins bestückte Speiseraum ist ebenso wie der herrschaftliche Aufenthaltsraum mit einem großen Kamin ausgestattet. Für die weitere Tourenplanung gibt es hier auch eine gute Wifi-Verbindung. Eine enge steinerne Wendeltreppe führt hinauf in die Zimmer und Kopf einziehen ist an den niedrigen Türstürzen angesagt. Die abendliche Ruhe und Stille ist kaum zu beschreiben, fast unvorstellbar, dass dies kein „Museumsort“ ist. Aber der Lichtschein, der aus dem einen oder anderen alten Steinhaus dringt, bezeugt, dass noch 12 Personen in dem Ort wohnen. Die Kirche und der Turm vermitteln am Abend ein ganz besonderes Flair. Vom nicht weit entfernten Ausblick lässt sich der malerische Sonnenunter- und -aufgang beobachten. Fast zum Heulen schön, wenn die Sonne den kleinen Ort aus längst vergangener Zeit, in das erste Licht taucht.

La Garde Guérin

La Garde Guérin in der Abendsonne

Infoblock:

Rundwanderung La Garde Guérin – Gorges du Chassezac und zurück
Länge: ca. 9 km
Höhenmeter: ca. 400 Höhenmeter Ab- und Aufstieg
Ausgangspunkt: Parkplatz La Garde Guérin
Dauer: ca. 3 – 4 Stunden je nach Pausenlänge
Einkehrmöglichkeit: Auberge Régordane in La Garde Guérin

Tipp: Nur mit festem Wanderschuhwerk begehen. Bei schlechter Witterung und Nässe empfehlen wir den Weg nicht!

 Bei der Übernachtung wurden wir freundlichst von Lozère-Tourisme unterstützt.

 

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9 Responses to Vom mittelalterlichen La Garde Guérin hinunter an die Gorges du Chassezac

  1. Sabine says:

    Das sieht aus als ob man in dieser Umgebung optimal abschalten kann!

  2. Die Krimischafe hatten es mir angetan. Allerdings wäre der Weg über die steinigen Wege und über die schwankende Brücke nichts für mich Angsthasen. Das mittelalterliche Dorf würde mich interessieren.

    • Outdoor Hochgenuss says:

      Ja, die Begegnung mit den Schafen war wirklich „speziell“ und das mittelalterliche Dorf auch fast unreal. Schön, wenn wir dich durch den Bericht ein bißchen mit auf die Tour nehmen konnten!

  3. Andreas says:

    Liebe Silke und Thomas,

    früher bin ich öfter in mediterrane Regionen gefahren um dem Frühling entgegen zu fahren. Heuer kam ich nicht dazu und mir fehlt was. Diese Kulturlandschaften sind einfach wunderbar, weil sie noch nicht so durchrationalisiert sind wie bei uns. Ein bißchen Wildnis ist schön, gelb blühende Ginster, roter Mohn und Luzernfelder sind fürs Auge schön anzusehen. Wandern, regionale Käse und Weine probieren gehören dazu. Ich fand, das habt ihr in Eurem Blog schön fotografiert und beschrieben. Viele Grüße Andreas.

  4. Pingback: Outdoor-Hochgenuss Rückblick 2015 - outdoor-hochgenuss.de

  5. Thomas Kopal says:

    da will man doch sofort die Stiefel schnüren und los gehts.
    Liebe Grüße
    Thomas

  6. Ich bekomme sofort Lust, wieder nach Frankreich zu fahren. Zumal wir die Region zuerst auch als Ziel ausgesucht, uns aber dann doch für die Bretagne entschieden hatten.
    LG, Antje

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