Genussradeln entlang der ViaRhôna

Viarhona, Rhone, Fluss, France

Ausgelassene Vorfreude auf die ViaRhôna!

Auf rund 800 km schlängelt sich der neue Fernradweg von Genf bis ans Mittelmeer immer entlang der Rhone und ist Teil des EV17. Auf den einzelnen Etappen durch die drei Regionen Auvergne Rhône-Alpes (557 km), Provence-Alpes-Côte d’Azur (114 km) und Occitanie-Pyrénées-Méditerranée (146 km) schwelgen wir geradezu durch die verschiedenen, sehr unterschiedlichen Landschaften, machen Bekanntschaft mit wunderschönen Dörfern und erleben eindrucksvolle Städte. Eine für uns optimale Mischung aus Natur, Kultur und Kulinarik, denn unterwegs im Rhonetal lernen wir viel über die zahlreichen, dort angebauten Weine – die wir natürlich auch verkosten.
Noch ist die Strecke im Bau und soll 2020 komplett fertiggestellt sein. Dann führt die gesamte Route nur noch auf den Voie Vertes, die ausschließlich Fahrrädern vorbehalten sind und auf sehr verkehrsarmen Straßen. Im Mai 2017 auf unserer Tour, in 14 Etappen, entlang der gesamten ViaRhôna, war die Strecke im nördlichen Teil bereits sehr gut befahrbar und ausgeschildert; im Süden gibt es noch etwas mehr zu tun. Die ViaRhôna war für uns „normalo Radler“ konditionell sehr gut machbar. Der Fernradweg ist jetzt schon sehr gut ausgeschildert. In unserem Bericht legen wir verschiedene Themenschwerpunkte und verzichten auf einen chronologischen Beschreibung der Route.

Inhaltsverzeichnis:

Ins abendliche Sonnenlicht getaucht, wirken die Felsen wie wunderschöne „Rockstars“

Vielfältige, eindrucksvolle Landschaftsbilder auf der ViaRhôna

Zum Tourenauftakt in Genf ist uns gleich der volle Alpengenuss vergönnt, denn der Mont Blanc winkt uns beim Blick über den Genfer See zu. Schon nach wenigen Kilometern sind wir in der grünen Hügellandschaft des Juras unterwegs. Die sportive Routenalternative hinter Vulbens ist sehr zu empfehlen, denn hier bekommen wir einen genialen Blick auf die türkisfarbene Rhone umrahmt von einsamen Dörfern und mit Blick in den Naturpark des Juras, der die komplette Grünpalette des Malkastens für sich beansprucht. Phantastisch auch die riesigen Kalksteinfelsen die uns auf der Weiterfahrt begleiten. Insbesondere im Abendlicht, wenn die gigantischen Felswände von der Sonne in Orange getaucht werden, ist das ein einmaliges Landschaftskino. Die Strecke zwischen Champagneux und Hières-sur-Amby ist ein absoluter Felsentraum. Zwischendurch gibt es noch die Wasserfälle von Glandieu zu entdecken, die durch einen Miniabstecher erreicht werden. Auch die knallroten Mohnfelder („coquelicot“, wie er hier genannt wird), gespickt mit blauen Kornblumentupfer verführen uns sowohl im Norden als auch später im südlichen Teil zu unzähligen Fotostopps.

Mohn soweit das Auge reicht.

Hinter Lyon wandelt sich die Aussicht und die Weinberge des Rhonetals präsentieren sich entlang des Weges. Immer wieder gibt es jedoch Unterbrechungen durch großflächige Obstplantagen, denn wir sind auch im Früchtekörbchen Frankreichs unterwegs. Je weiter wir nach Süden gelangen desto mehr sind Ginster, Oleander, Olivenbäume und schließlich auch Lavendel und Zypressen unsere aromatischen Landschaftsbegleiter. Für uns ist es überraschend, wie sehr sich die Düfte, die uns um die Nase wehen, in den unterschiedlichen Landschaften verändern und wie intensiv wir dies auch wahrnehmen. In der Provence, die sehr landwirtschaftlich geprägt ist, riecht es z.B. sehr nach Holz und natürlich gibt es mit dem Zikadenzirpen hier auch noch einen besonderen Ohrenschmaus. Nach einer langen Passage durch die sanfte, farbenfrohe Provence, „erfahren“ wir kurz vor dem Ziel mit der Camargue erneut einen kompletten Tapetenwechsel.
Reisfelder, die uns durch tiefe Risse in der trockenen Erde an Wüstengebiete erinnern, wechseln sich mit dem zarten Grün der Reispflanzen auf nassen Feldern ab. Wir halten Ausschau nach den Big 3 der Camargue: schwarze Stiere, weiße Pferde und rosarote Flamingos. Die wir im Naturreservat Le Marais du Vigueirat dann auch entdecken, zusammen mit unzähligen verschiedenen Vogelarten. An diesem farbenfrohen Luftgeschwirre haben nicht nur Ornithologen ihre Freude. Überglücklich stehen wir dann zum Abschluss am weißen, feinsandige Plage Napoleon und blicken auf das stahlblaue Mittelmeer.

Vivier, Aussicht, Trois Becs

Ausblick von der Terasse in Vivier mit Blick auf die *Les Trois Becs*.

Was wir sehr positiv an uns selbst erlebten, war diese Veränderung vom „Wissen sammeln“ zum Genießen. Zu Beginn war es uns immer sehr wichtig, die Namen aller Erhebung und Hügelketten zu kennen, die an uns vorüber zogen. In unseren Unterkünften haben wir dann häufig noch die Gastgeber gelöchert. Das wurde uns zum Glück zunehmend unwichtiger und wir haben einfach die Landschaft in uns aufgesogen. Zwei Berge, nein eigentlich vier, haben uns ganz besonders fasziniert: der König der Provence, der Mont Ventoux, mit stattlichen 1912m. Wir würden es nicht glauben, hätten wir ihn nicht mit eigenen Augen gesehen: unglaublich, wie sich solch eine riesige Erhebung so gut „verstecken“ kann. Immer wieder, konnten wir ihn nur schemenhaft ausfindig machen. Les Trois Becs (die drei ineinander übergehenden Berge Le Veyou (1589m) – Le Signal (1559m) – Roche Courbe (1545m), auf die wir ab Valence in der Ferne immer wieder aufmerksam werden. Uns erinnern sie ja mehr an einen gezackten Drachenschwanz, als an Schnäbel, was eine der Übersetzungen der Becs ist.

Die Mischung machts: moderne und antike Städte, romantische Dörfer

Auf den ersten rund 260 km der Tour bis Lyon dominieren für uns eindeutig die Landschaftseindrücke und die kleinen sympathischen Orte, mit schönen Steinhäusern und den bunten Blumengärten. Chanaz versetzt uns mit den bunten Booten und den schnuckeligen Einkehrmöglichkeiten direkt am Kanal in die richtige Urlaubsstimmung. Der Weg durch den Ort zur alten, wieder fit gemachten Ölmühle (Moulin de Chanaz) lohnt sich besonders. Die frisch gerösteten Haselnüsse, die anschließend zu feinem Öl gepresst werden, verströmen einen köstlichen Duft.
Zwischen den phänomenalen Felslandschaften des Bugey, „versteckt“ sich auch Morestel. Kleine Gassen und der begehbare mittelalterliche Turm, der oben einen perfekten Blick auf den Mont Blanc und die Hügel des Bugey bietet, lohnen für einen kurzen Stopp. Besonders zauberhaft finden wir auch Saint-Sorlin-en-Bugey mit einigen schön erhaltenen Waschhäusern (fontaine-lavoir), die hier sehr typisch sind. Die alten Steinhäuser, das Schloss und die prachtvoll blühenden Rosen machen das Postkartenmotiv mit Felsformationen im Hintergrund perfekt. Hier übernachten wir zwar nicht, würden wir aber sehr gerne!

Das alte Waschhaus in Saint-Sorlin-en-Bugey ist ein bezauberndes Schmuckstück.

Lyon, überraschend schön
Nach rund 250 km erreichen wir Lyon, die Hauptstadt der Region Auvergne Rhône-Alpes, an den beiden Flüssen Rhone und Saone, die uns angenehm überrascht. Bisher hatten wir sie nur als große Industriestadt abgespeichert, aber während unserer Tour durch die Stadt, gefällt sie uns von Minute zu Minute besser. Die zahlreichen Brücken, die die beiden Flüsse überspannen, versprühen insbesondere am Abend einen sehr romantischen Charme. Total begeistert sind wir von den großen, mit typischen Szenen Lyons bemalten Häuserfronten. Eine tolle Sammlung an Outdoor-Street-Art-Kunst, die wir auf unserer geführten E-Bike-Tour im ehemaligen Arbeiterviertel Croix-Rousse gezeigt bekommen.

Mit dem blauen Symbol ist man auf der richtigen Entdecker-Fährte, um die Traboules in Lyon zu finden.

Um in kurzer Zeit einige der Outdoor-Highlights zu sehen und auf lockere Art und Weise erklärt zu bekommen, finden wir die geführte rund 1,5 stündige Tour mit dem E-Bike (Lyon hat eine ziemliche Flächenausdehnung und ist unerwartet hügelig) optimal. Sehr fasziniert sind wir auch von den sogenannten „Traboules“, die in der Hochzeit der Seidenstoffherstellung sehr nützlich waren. Ein bisschen erinnern sie uns an Geheimgänge durch die wir spionieren dürfen. Früher dienten sie dazu, dass Menschen und insbesondere die Seidenstoffe sozusagen „trockenen Fusses“ zwischen den Häusern transportiert werden konnten. Hierzu dienten interne Treppenaufgänge innerhalb von Häuserkomplexen. Rund 425 Stück soll es davon in der Stadt noch geben. Die zugänglichen „Traboules„, z.B. am Place Colbert Nr. 9, erkennt man an einem blauen Löwenkopfsymbol das am Gebäude angebracht ist. Außerhalb der Führung, lassen wir die Räder in ihrem Stall bei unserer Unterkunft stehen. Durch das Kopfsteinpflaster sowie die vielen Einbahnstraßen, ist es hier nicht ganz übersichtlich. Also schlendern wir lieber zu Fuß durch die erstaunlich entspannte Stadt.

Wie echt wirken die riesigen Wandmalereien auf den Häusern, die es in Lyon oft im Stadtteil Croix Rousse gibt.

Valence, warum eigentlich nicht?
Auch in Valence, dem Verwaltungssitz des Departments Drôme, durch das die ViaRhôna direkt führt, machen wir einen kurzen Halt: große Palmen wiegen sich in der Sonne und verbreiten Sommerfeeling, wenn man sich einen Imbiss genehmigen mag, dann hier! Uns hat es das Kiosque angetan, das extra im Reiseführer erwähnt wurde. Was man hier wohl kaufen kann?, fragen wir uns. Groß ist die Überraschung als wir es dann entdeckten… Ebenfalls sehenswert die Kathedrale und das Maison de Têtes, …

Anders als erwartet, das Kiosque in *Valence*.

Villages de Caractère in der Ardeche – zum Verlieben
Kurz darauf gelangen wir ins nächste Department – Ardeche, dort warten mit den sogenannten Villages de Caractère besonders adrette kleine Ortschaften mit maximal 2 TSD Einwohnern auf uns. Entlang der Rhone liegen gleich zwei dieser Schmuckstücke. In Beauchastel holpern wir über das alte Kopfsteinpflaster, entdecken mit kleinen Accessoires geschmückte Fenstersimse und zahlreiche bemalte Ziegel, die die Hauswände zieren. Wenn wir uns Frankreich mit geschlossenen Augen vorstellen, dann entstehen genau diese Bilder. Ebenso gehört Rochemaure zu diesen charaktervollen Ortschaften. Hier erwartet uns ViaRhôna-Radler neben der Burg, die protzig auf einen schwarzen Vulkankegel thront und Namensgeber für das Dorf ist, noch ein weiteres Highlight: eine 339 Meter lange Passarelle Himalayenne, eine aus dem Jahr 1896 stammende Hängebrücke, die aufwendig saniert wurde und seit 2013 wieder den Weg über die Rhone ermöglicht. Beim Überqueren kitzeln die Schmetterlinge in der Magengegend. Die Nougatstadt Montelimar lässt der Radweg links liegen, aber ein kleiner Abstecher zu einem familiären, feinen Hersteller der klebrigen Süßigkeit ist problemlos machbar, sowohl strecken- als auch kalorienmäßig. Sind wir doch sportlich unterwegs.

Kopfsteinpflaster, alte Steinhäuser und bemalte Ziegel, typisch im Village de Caractère in Beauchastel.

Die alte Ruine auf einem schwarzen Vulkankegel: Namensgeber für Rochemaure, Ardeche.

Viviers – unbedingt
Viviers entpuppt sich als Liebe auf den zweiten Blick. Aber nachdem wir verstehen, dass es eine Unter- und eine Oberstadt gibt, ist unser Entdecker-Gen geweckt. Durch verwinkelte Kopfsteinpflastergassen führen zahlreiche Stufen hinauf in die Ville-Haute. Hier begrüßt uns eine der kleinsten Kathedralen Frankreichs mit schönem Interieur und einem atemberaubenden Aussichtsbalkon. Von diesem können wir mal wieder einen Blick auf unsere geliebten 3 Becs werfen. Hinter uns wachen erhöht auf einem Sockel der Erzengel Gabriel und eine Madonnenfigur über das Wohl des Städtchens. Endgültig in der Provence angekommen, warten mit Orange und Avignon zwei antike geschichtsträchtige Städte auf uns.

Thront in der Haute-Ville von *Viviers*, eine der kleinsten Kathedralen Frankreichs

Orange, Amphitheater und Weltkulturerbe
In Orange statten wir dem knapp 2000 Jahre alten Theater, das seit 1981 zum Weltkulturerbe gehört, einen Kurzbesuch ab. Die 61 m lange und 13 m tiefe Bühne, sowie die noch sehr gut erhaltene 103 m hohe Rückwand machen Eindruck. Schon ein Erlebnis, die 35 Ränge immer weiter hinauf zu gehen und dabei über den Audioguide zu erfahren, wie man sich die Veranstaltungen hier im Theater in den verschiedenen Epochen vorstellen konnte. Für weitere Entdeckungen bleibt in Orange leider keine Zeit, denn wir wollen weiter in den Weinolymp von Châteauneuf-du-Pape.

Ein wahrer Prachtbau, das mehr als 1000 Jahre alte Theater in *Orange*.

Avignon, viel mehr als nur Papststadt
Avignon erreichen wir nach einer absoluten Kurzstreckenfahrt mit der Bahn, denn hier führt die provisorische Strecke aktuell noch durch ein wenig attraktives und verkehrsträchtiges Industriegebiet. Für Avignon nehmen wir uns den ganzen Nachmittag Zeit und die Sehenswürdigkeiten innerhalb der rund 4 km langen, sehr gut erhaltenen Stadtmauer sind gut zu Fuß erreichbar. Der riesige Papstpalast bildet das Zentrum und hier wimmelt es nur so vor Touristen. Wer ins Innere gelangen möchte, muss sich ggf. auf eine längere Wartezeit einrichten. Bei unserem Besuch hat uns die Größe der Anlage sehr beeindruckt, am besten fanden wir jedoch die Ausblicke aus den Außenbereichen. Diese genießt man allerdings auch von den päpstlichen Gärten, die keinen Eintritt kosten. Hier sieht man z.B. auch auf die wohl bekannteste europäische Brücke, die Pont d´Avignon (Pont Saint-Bénézet). Wer noch näher dran, aber nicht darüber gehen möchte, nutzt die kostenlose Bootsfahrt hinüber zur Île de la Barthelasse, dort in der großen Parkanlage kann man auch gut ein bisschen ausruhen. Wir haben uns anschließend einfach treiben lassen, einen Blick in „Les Halles“, die genussreichen Markthallen von Avignon geworfen, auf dem Place des Corps Saint eine Plate du Jour in einem der zahlreichen Cafes vertilgt und uns in der Rue des Teintures vergnügt. Auch in dieser Gasse gibt es zahlreiche schöne Kneipen, die Wasserräder, die hier noch am kleinen Kanal stehen, erinnern an die Bedeutung der Seidenhestellung hier in der Stadt. Es gibt beim Gang durch die Stadt einfach immer wieder spannende alte Gemäuer, neben kleinen Geschäften und Museen zu entdecken.

Genialer Ausblick vom Papstpalast über die Dächer von *Avignon*.

Tarascon und der bezwungene Drache

*Tarascon* bunt geschmückt mit Wimpeln, Türen und Rolladen.

Ziemlich in der Mitte zwischen Avignon und Arles befindet sich Tarascon, von dem wir vor der Reise noch nie gehört haben. Wir besichtigen das Museum Souleiado, schon im 18 Jh. wurden hier die farbenfrohen Stoffe mit den typisch provenzalischen Mustern bedruckt, die es sogar bis auf die Laufstege der Haute Couture schafften. Auch heute stehen sie noch hoch im Kurs.

Arles, malerische Stadt mit Temperament
Rund 50 km vor unserem Ziel am Mittelmeer erreichen wir am frühen Abend Arles, das abschließende kulturelle Highlight auf der ViaRhôna. Besonders fasziniert sind wir von der Arena, in der noch zweimal im Jahr die Stierspiele stattfinden und die Stadt außer Rand und Band ist. Ganz schön trubelig ist es auch bei unserem Besuch an der Arena. Es ist aber einfach auch zu schön, wenn die Abendsonne durch die Rundbögen strahlt. Unsere Übernachtung genießen wir sehr, denn am späteren Abend und am nächsten Morgen ist es angenehm ruhig und gemütlich im Zentrum. Auch Vincent van Gogh war von Arles fasziniert und verbrachte hier 15 sehr schaffensreiche Monate, in denen rund 300 seiner Werke entstanden. Viele seiner Motive kann man hier noch gut erkennen und auf einem Rundgang erkunden. An einer Vorlage des Malers kommt man ganz zwangsläufig vorbei: An der Pont Langlois, der hölzernen Klappbrücke, die zwar nicht mehr am Originalort steht, aber dafür jetzt direkt an der ViaRhôna aufgebaut ist und sozusagen das Tor in die Camargue bildet.

Die Arena von *Arles* im Abendlicht.

Wein und andere kulinarische Versuchungen

Nur eine 20-minütige Zugfahrt von Lyon entfernt (momentan sind die 35 km noch nicht mit dem Rad zu empfehlen), liegt Vienne. Hier findet jeden Samstag der größte Wochenmarkt der Region Auvergne Rhône-Alpes statt. Auf rund 2,6 km reihen sich ca. 400 Markstände durch den alten Stadtkern. Wir haben das Vergnügen, an einem Markttag hier zu sein und stürzen uns begeistert in das bunte Treiben. Von Knöpfen über Besen, der neuesten Schuhkollektion bis zu Mausefallen gibt es hier wirklich (fast) alles. Zugegebenermaßen haben die Stände mit Oliven, einer Käseauswahl von hier bis zum Mond, Pasteten, Wurst und Backwaren auf uns die größte Anziehungskraft und wir kaufen üppig Proviant ein.
Wer auf der ViaRhôna unterwegs ist, der wird förmlich hineingesogen in die Weinwelt entlang der Rhone. Wir als nicht Weinkenner haben von Anfang große Lust darauf, die verschiedenen Appellationen und Trauben sowohl in der Theorie als auch in der Praxis kennenzulernen. Hinter Vienne ist es dann auch soweit. Die ersten Weinberge machen sich neben der Rhone breit und die Winzer schmücken ihre Rebflächen mit unübersehbaren Bannern, mit denen sie auf sich aufmerksam machen. Clevere PR-Aktion, wie wir finden, denn so prägen sich die Namen der Weingüter schon mal in unseren Köpfen ein bevor wir Condrieu und Tain l´Hermitage erreichen. Auf dem Granitboden in Codrieu wird z.B. ausschließlich der Viognier angebaut, der sich uns als blumig duftender Weißwein präsentiert, selbst unsere Nasen riechen Pfirsich und Aprikose-Aromen heraus. Im 60 km entfernten Taint l´Hermitage im Department Drôme, ragen die Reben bis in den Ort hinunter. Zahlreiche Winzer bieten Verkostungsmöglichkeiten an, die wir auch gerne nutzen. Hier lernen wir nun noch die zwei weiteren im nördlichen Teil der Rhone beheimateten weißen Sorten Marsanne und Roussanne sowie den klassischen roten Vertreter, den Syrah, kennen.

Hinter Vienne tauchen die ersten Weissweinlagen im Rhonetal auf

Die Schokoladen-Stadt in Tain l´Herimitage und der Nougattraum in Montelimar
Neben Wein hält Tain auch noch eine weitere kulinarische Verführung bereit, die Cité du Chocolat des Schokoladenherstellers Valrhona. In dieser außergewöhnlichen „Schokoladen-Stadt“ steht neben der Frage „Wie wird Schokolade hergestellt?“ im Vordergrund „Wie wird Schokolade verkostet, welche Geschmacksnuancen und Aromen spielen hierbei eine Rolle“?! Auf der Verkostungsrunde, vernascht jeder Besucher rund 60 Gramm Schokolade. Wir haben den Schnitt garantiert nicht gesenkt. 😉

Bei Arnoud Soubeyran in *Montelimar* wird Nougat noch in Handarbeit hergestellt

Für uns kein Problem, es geht ja gleich wieder auf´s Rad. 100 Empfehlungspunkte bekommt die 2013 eröffnete Cité von uns! Ein weiterer süßer Genussgipfel ist unser Abstecher zur Nougaterie Arnoud Soubeyran im Industriegebiet von Montelimar. Am Vormittag kann man den vier Nougatköchen in die polierten Töpfe schauen. Was aussieht wie eine kleine Schauproduktion für Touristen, ist die reale Produktionsküche, in der es auch hinter der Glasscheibe himmlisch nach Mandeln, Honig usw. duftet. In Handarbeit werden 12 verschieden Nougatsorten, Gimove (das französische Marshmallow) und andere Naschereien hergestellt. Die Dekoration der Räume erinnert an einen liebevoll eingerichteten Tante Emma Laden mit schönen Gläsern und Dosen, in denen die Süßigkeiten aufbewahrt und bestaunt werden.

Im Schokoladenhimmel angekommen, Valrhona in Tain l´Hermitage

Bourg-Saint-Andéol, der familiäre Weinberg und der Palais des Évêques
Einen weiteren Weinexkurs machen wir kurz vor Bourg-Saint-Andéol auf dem Weingut Notre Dame de Cousignac. Der Winzer Rafael bewirtschaftet hier bereits in der siebten Generation ein Weingut, das uns an einen Garten Eden erinnert. Mitten in seinen Weinbergen lebt er mit seiner amerikanischen Frau, fünf Kindern, zwei Katzen und Magnum, dem Haushund umgeben von Oleander- und Walnussbäumen mit Blick auf den Mont Ventoux. Er beschreibt uns die Anbauunterschiede, die es zwischen den Lagen hier und der weiter im Süden liegenden Appelation Châteauneuf-du-Pape gibt. Dankbar ist er für die kühlen Nächte, die die besonderen Thymian-, Salbei-, Minze und Lavendelnuancen in den Wein bringen, erklärt er uns. Außerdem profitieren, wie er umschreibt, die Weine hier von einer außergewöhnlichen Hochzeit: Durch die kühlen Nächte findet sich in unseren Weinen die Säure der nördlichen Rhoneweine, aber auch der Alkoholgehalt des Südens. Er lässt es sich nicht nehmen für uns die hier typischen Caillette zu kochen. Eine Art Hackfleischkloß gefüllt mit Spinat und Kräutern, der aber auch hinter jedem Hügel anders schmeckt, wie er augenzwinkernd schildert. Wer Lust auf ein köstliches Mittagessen in einem blühenden Rosengarten hat, der sollte im Palais des Évêques in Bourg-Saint-Andéol eine Pause einlegen. Seit kurzem im Ruhestand, hat sich der ehemalige ortsansässige Arzt gemeinsam mit seiner Frau hier einen Traum erfüllt. Mit viel Geduld und Invest haben sie in mehr als 16 Jahren den ehemaligen Sitz des Kirchenoberhaupts saniert. Gerne führt der stolze Eigentürmer auch durch sein Anwesen.

Phantastischer Anblick die Ruine der päpstlichen Sommerresidenz in *Châteauneuf-du-Pape*

Nervös im Weinolymp
Vor Châteauneuf-du-Pape dürfen wir nun endlich mal unsere Regenoutfits ausprobieren. Es schüttet wie aus Kübeln, was uns bei der Ankunft eine sehr mystische Begrüßung beschert. Es hat aufgehört zu regnen und die kindskopfgroßen, rötlichen Steine, die die Weinreben umgeben, dampfen lustig vor sich hin. Wir sind ziemlich sprachlos, können wir uns doch nicht vorstellen, dass auf diesem steinigen Untergrund überhaupt etwas gedeihen kann. Dass dem so ist, erklärt man uns im Château Mont-Redon, einem der mehr als 320 Weingüter hier in Châteauneuf, dem Ort, der auch als Sommerresidenz der sieben in Avignon residierenden Päpste bekannt ist. Wer Lust auf eine Führung hat, kann z.B. im Vinadea, dem Weinhaus der Vereinigung der Produzenten der Appelation, nachfragen, wo aktuell Führungen und Verkostungen möglich sind. Wer einfach nur die verschiedenen Weine des 3200 Hektar großen Anbaugebiets mit 5% Weißweinanteil, probieren möchte, kann das auch direkt im Vinadea machen. Zugegebenermaßen sind wir schon sehr aufgeregt, im Weinolymp die edlen Weine zu verkosten. Wir erleben es dort dann total legere und haben wahrlich viel Spaß, so dass wir selbst das Fotografieren vergessen. Ein besonders toller Platz für ein Picknick ist die Ruine des Papstpalastes oben auf dem Berg. Hier genießt man abends einen romantischen Blick hinunter auf das Lichtermeer von Avignon. Wer lieber den vollen Service im Restaurant möchte, dem empfehlen wir das Restaurant Le Verger des Papes, nicht ganz günstig, aber sehr lecker.

Weinprobe nach einem Regenguss im Château Mont-Redon bei einem der 320 Winzer der Appelation *Châteauneuf-du-Pape*

Unvorstellbar, dass auf diesem steinigen Untergrund in *Châteauneuf-du-Pape* überhaupt etwas gedeiht

Köstliches in der Camarque
Einen weiteren Tempel der Köstlichkeiten betreten wir in Arles nur wenige Gehminuten von der Arena entfernt. In dem kleinen Restaurant mit nur wenigen Tischen, werden typische regionale Spezialitäten sehr phantasievoll, aber nicht abgehoben mit der internationalen Küche verbunden. Auch am Zielort in Port-Saint-Louis wo die Rhone ins Mittelmeer mündet, gibt es noch kulinarische Highlights oder auch Mutproben. Wer sich gerne Meeresgetier auf der Zunge zergehen lässt, sollte auf jeden Fall Austern und Muscheln kosten, die hier zahlreich kultiviert werden.

Gut zu wissen: In vielen Restaurants entlang der gesamten Strecke, zumindest außerhalb der großen Städte, ist gegen 21 Uhr Küchenschluss!

Schlafen entlang der ViaRhôna

Wir haben alle Übernachtungen bereits im Voraus gebucht und waren meistens in kleineren Hotels untergebracht. Auf der Webseite des Fernradwegs werden eine Vielzahl von Unterkünften rechts und links der Strecke bis zu einer Entfernung von 5 km angezeigt. Insbesondere in den eher dünner besiedelten Gebieten in der Auvergne Rhône-Alpes-Region ist Anzahl der Unterkünfte nicht immer üppig. Wer flexibel sein möchte, kann auch gut mit dem Zelt auf Campingplätzen übernachten. Wer Lust hat mit einheimischen Radfahr-Freunden in Kontakt zu kommen, kann bei den „WarmShowers“ für eine private Unterkunft fündig werden.

Pod, Camping, Glamping, viarhona

Eine besondere Übernachtung an einem speziellen Ort. Die PODs auf dem Campingplatz in Châteneuf-du-Pape.

Unsere Übernachtungen:

              • La Colonie, Collonges, liegt nicht direkt auf der ViaRhôna; ist aber eine sehr schöne Unterkunft auf französischem Terrain mit Alpenblick
              • Hotel Beau Sejour, toller Blick von der Terrasse auf die Brücke, das Frühstück könnte man noch liebevoller gestalten, Seyssel
              • Hotel Les Bergeronnettes, Champagneux, ca. 3 km von der ViaRhôna entfernt; sehr steiler Anstieg zum Hotel, der mit einem atemberaubenden Aussichtsbalkon vor der Kirche belohnt wird.
              • Hôtel du Val d´Amby, sehr leckere Küche und eine super freundliche und lustige Gastwirtin, Hières-sur-Amby
              • Hotel Vaubecour, sehr sympathische Frühstückspension mit viel altem Stuck und aktuellen Infos, sehr zentral in Lyon
              • Hôtel le Bellevue, Restaurant sehr gediegen, dafür ein grandioses Frühstücksbuffet, Roches-de-Condrieu, der Ort ist nicht so aufregend
              • Hotel Les Deux Coteaux, mitten drin in Tain l´Hermitage
              • Hotel Le Cèdre, etwas abgelegen mit sehr schönem Garten, Soyons
              • Le Temps des Pauses, Pension mit viel Charme und Abendessen am Pool, Viviers
              • Weingut Notre Dame de Cousignac verträumt direkt in den Weinbergen gelegen, Bourg Saint Andéol
              • Übernachtung im Pod (Holzfass) im Camping l´Art de Vivre, Châteneuf-du-Pape
              • Hotel Boquier, sehr zentrale Lage in Avignon
              • Hotel Calendal, direkt oberhalb von der Arena in Arles mit wunderschönem Garten und ausgezeichnetem Frühstück
              • Übernachtung in Port-Saint-Louis, weitere Infos über www.portsaintlouis-tourisme.fr 

 

Schlafen im Weingut

Übernachtung mit besonderem Charme auf dem Weingut Notre Dame de Cousignac, *Bourg Saint Andéol*

Fazit:

Die ViaRhôna bietet wahrlich ein Feuerwerk an Landschaftsbildern und ist definitiv geeignet für Radler, die erstmalig eine längere Fahrradtour machen. Auch mit eigener Muskelkraft fordert die Route nur auf wenigen Passagen auf unseren ersten beiden Etappen etwas strammere Waden. Durch die gute Bahnanbindung können länger anhaltende Schlechtwetterfronten gut überbrückt werden. Auf den bereits fertiggestellten Abschnitten rollen wir auf sehr gut asphaltierten Wegen wie von selbst. Wenn 2020 dann auch die provisorischen Passagen behoben sind, ist die ViaRhôna ziemlich perfekt.
Sehr überrascht hat uns, dass wir die Veränderung der Fauna und Flora in den unterschiedlichen Regionen nicht nur visuell sondern auch ganz stark durch die verschiedenen Gerüche wahrgenommen haben. Die Mischung aus Natur und Kultur gefällt uns sehr gut und die kulinarischen Ausflüge treffen genau unseren Geschmack. Die Begegnungen mit der großen Weinvielfalt des Rhone-Tals hat uns als nicht Weinkenner besonders viel Freude gemacht. Es war sehr eindrucksvoll mit wieviel Passion aber auch Leichtigkeit uns die Winzer ihre Weine vorgestellt haben. Unsere größte Herausforderung war sicherlich, immer einigermaßen pünktlich in unseren vorgebuchten Unterkünften anzukommen. Denn die Franzosen essen gar nicht so spät zu Abend, wie wir vermuteten. Die Lichtstimmung am Abend, hat viele Routenabschnitte einfach atemberaubend illuminiert, so dass wir hier nur ganz selten widerstehen konnten.

Provence, ViaRhona, Frankreich, Radtour

Lavendel im Abendlicht – der Traum in der Provence.

Infokasten

              • Unsere mit dem Rad gefahrene Gesamtstrecke vom Genfer See bis zum Mittelmeer: 785 km und ca. 880 Höhenmeter
              • Höchster/niedrigster Punkt: 511 m/0 m
              • Anreise: Parkmöglichkeiten: Parkplätze in Genf sind rar und in Parkhäusern sehr kostspielig. Wir haben das Auto im 10 km entfernten Ferney-Voltaire (Frankreich) auf dem Parkplatz Hotel Appart City Confort abgestellt (2 €/Tag); eine Vorab-Reservierung ist nicht möglich. Um von hier mit dem Rad auf kurzem und schönem Weg nach Genf zu gelangen, folgt man der Jurasüdfuss-Route Nr. 50.
                Mit der Bahn: Genf (Genève) verfügt über einen internationalen Bahnhof. Die Fahrradmitnahme ist auf den deutschen ICE-Verbindungen nicht möglich.
                Mit dem Flugzeug: Der Flughafen in Genf ist ca. 6 km vom Stadtzentrum entfernt und wird z.B. von Easyjet und Eurowings angeflogen.
              • Rückfahrt: Mit der Bahn zum Ausgangspunkt nach Genf ist ab Arles, Avignon und Aix-en-Provence möglich.
                Entlang der ViaRhôna liegen rund 40 aktive Bahnhöfe, somit können problemlos auch Etappen mit der Bahn überbrückt werden. In allen Regionalzügen (TER) können Räder mitgenommen werden.
              • Gepäcktransport unterwegs: Zwischen Vienne und Pont Saint Esprit: ALLO BAGGAGES
              • Beste Reisezeit: Das Frühjahr, ab Mitte März wenn der Mistral vorbei ist bis Mitte/Ende Juni und dann wieder von September bis November. Die Sommermonate Juli und August sind nicht zu empfehlen, da in den französischen Sommerferien sehr viel los ist, außerdem ist es dann häufig auch extrem heiß. Ab Mitte Juni bis in den November muss man sich in der Camargue mit den Stechmücken anfreunden.
              • Karten und Buchmaterial: Radtourenbuch ViaRhôna, bikeline – Verlag Esterbauer, Maßstab 1:75.000, ISBN: 978-3-85000-693-4
              • Weitere Informationen: Offizielle Seite des Fernradwegs, hier werden auch Übernachtungen im Umkreis von bis zu 5 km angezeigt. Offizielles Radtourismusportal Frankreichs.
              • Sehenswertes am Wegesrand und ergänzende Aktivitäten:
                Historische Ölmühle, Chanaz
                Wasserfälle von Glandieu
                Stadtrundfahrt mit dem E-Bike in Lyon
                größter Wochenmarkt in der Region Rhône-Alpes, Vienne (samstags)
                Haute-Ville und Kathedrale, Viviers
                Kirchturmbesteigung, Bourg-Saint-Andéol
                Antikes Theater, Orange
                Stadtbesichtigung in Avignon
                Stadtrundgang mit van Gogh
                , Arles

  • Dieses Erlebnis wurde uns im Rahmen einer individuellen Pressereise ermöglicht. Danke an Promotion ViaRhôna und Atout France.
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